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Blätter · 1915-12-01 · 6 (12.1915) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
1 (1915)
Issue
6 (12.1915)
Date
1915-12-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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M. L. Die Lage der jüdischen Kolonien in Süd-Palästina. 1 l ii. Ähnlich so wie in Petach-Tikwah liegen die Verhältnisse in Rischon- Lezion, Rechvbot, Ekron, Katra, Kastinieh und den übrigen Kolonien. Da sie kleiner sind, ist ruhiger dort. Zum Teil haben sie keine täglichen Postverbindungcn mit Jaffa. Ls gibt weniger öffentliche Angelegenheiten und infolgedessen weniger Streit und Parteien. Statt Orangerien haben die Kolonisten in Rischou und Rechowot meistens Weinberge gepflanzt, in Ekron Mandelgärten, in Katra und Kastinieh meistens Getreide. Die verschiedenen Pflanzungen regeln auch natürlich das Leben der Kolonisten in manchen Beziehungen ein wenig anders, als das der Petach-Tikwaer Bevölkerung. Aber alle Landeserträgnisse, Apfelsinen. Citronen, Essraugim, Mandeln, Oliven, Wein, Getreide und Gemüse gediehen vorzüglich, ernährten die Bevölkerung und singen gerade an, eine Grundlage zur Entwicklung der jüdisch-palästinischen Kultur zu bilden, als der unglückselige Krieg ausbrach. Dieser Krieg, der über alle Länder so viel Elend bringt, ist ganz besonders unheilvoll für Palästina, für das Land, das keine Industrie und keinen Markt hat und ganz auf die Ein- und Ausfuhr angewiesen ist, dessen Bewohner Angehörige aller Nationen Europas waren, deren Familien und deren Besitz über plötzlich befeindete Länder zerstreut war, von denen der größte Teil von Spenden europäischer Wohltäter lebte, für das Land, das auch in Friedenszeiten noch der schützenden, ordnenden Hand der Regierung entbehrt. Für die Kolonisten bedeutet der Krieg Abbruch aller Handelsbeziehungen. Die Schiffahrt ist unterbrochen, die Frfllcht kan» nicht ausgcfiihrt werden, es kommt kein Geld mehr ins Land. Sofort stellten sich Fragen, wie: sollen wir die Orangen abschneiden, wenn wir kein Geld haben, die Arbeiter zu bezahlen und die Frucht nicht versenden können, oder sollen wir sie stehen lassen und riskieren, daß die Tragkraft der Bäume in den nächsten Jahren leidet? Wovon sollen die vielen Arbeiter mit ihren Familien leben, wenn wir sie nicht aurzahlen können? Noch komplizierter wurden die Geldfragen, als bald nach Kriegsausbruch Moratorium erklärt wurde. Die Bank-Schecks und das Papiergeld, das bald herausgegeben wurde, fielen täglich im Werte. Dabei ergaben sich noch viele Extra-Ausgaben Die Untertanen feindlicher Nationen mußten das Land verlassen oder Türken werden, die Regierung forderte große Abgaben, die Dienstpflichtigen brauchten jeder Frs. 1000.—, um sich auszulösen, die Regierung nahm Wagen, Pferde, Esel, Kamele, Motore, Wasserröhren, Holz u. sw. wo sie es nur finden konnte.

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