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Blätter · 1915-12-01 · 6 (12.1915) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
1 (1915)
Issue
6 (12.1915)
Date
1915-12-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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12 M. L. Die Lage der jüdischen Kolonien in Süd-Palästina. Als im Frühjahr die Mandelbäume neue Früchte trugen nud die Weinberge in frischer Blüte standen, gab es neue Sorgen Die Säcke mären noch gefüllt, mit dem Ertrag der letzten Mandelernte, in den Weinfässern lagerte »och der vorjährige Wein. Woher andere Säcke, andere Fässer nehme», woher Geld schaffen, die Arbeiter zu bezahlen? Aber wie drückend auch die Existenzsorgen der Kolonisten waren, immerhin war ihr Schicksal günstiger, als das der Juden Jerusalems. Zu hungern brauchten sie nicht, hatten sie doch wenigstens die Erträgnisse ihres eignen Bodens, bis das große Unglück über Erez Jisroel kam, bis die Heuschrecken kamen. Die Heuschrecken, die alles, alles fraßen, die Trauben, die jungen Mandeln, die Blätter der Obst- und Nntzbäume, alles Gemüse, alle Blumen, alles, was jetzt die hauptsächlichsten Nahrungs- und Erwerbsmittel der Kolonisten waren, was ihre Eltern, sie und ihre Söhne, im Schmeiße ihres Angesichts seit Jahren gepflanzt und gepflegt hatten, wovon ihr Leben und das künftiger Generationen abhüngen sollte. Die Verheerungen der Heuschreckenplage in den Kolonien waren schlimmer als alle anderen, durch den Krieg hervorgerusenen Schäden. Die Menschen waren machtlos dagegen. Wohl suchte man sie durch Geräusch zu vertreiben, ihre Eier zu sammeln, die junge Brut zu vergraben, aber alles vergebens. Klein und Groß zog ans, zum Kampf gegen die Heuschrecken, aber täglich überfluteten neue Strome die Kolonien. Tanis-Zibur wurde gehalten, Schaufor wurde geblasen, Tehillim gesagt, und weiter wüteten die Heuschrecken. Nicht nur der Ertrag dieses Jahres schien verloren zu sein, es war zu befürchten, daß der Schaden noch auf Jahre hinaus fühlbar sei. Manche Orangerien blieben verschont, aber hier gab es andere Sorgen. Woher Petroleum nehmen, zum Betrieb des Motors, der in jeder Orangerie das Wasser schöpft, mit dem die Bäume in der regenlosen Zeit bewässert werden? Schon wurden die Tage heiß und heißer, die Bäume schienen dem Verdorren nah, da kam Petroleum von Amerika. Amerikanische Juden schickten Lebensmittel ins Land, und aus Europa kamen Hilfsgelder. Die Heuschrecken flogen davon und nur wenige Wochen später schlugen die Bäume und Sträucher von neuem aus. Neue Trauben bildeten sich an den Reben und frisches Gemüse sproß hervor. Es ist offenbar, daß der Boden von Erez Jisroel ein Admas Kaudesch ist, ein gottgesegnetes Land, das so schwer getroffen, sich in kurzer Zeit neu belebt und neue Frucht hervorbringt. Es gilt, in diesem von ausgewähltem Lande, eine jüdische Bevölkerung zu schaffen, die sich des Admas-Hakaudesch würdig erweist.

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