Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 1 (1915)
- Issue
- 6 (12.1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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10 M. L. Die Lage der jüdischen Kolonien in Süd-Palästina. durch die Straßen geführt und laut schreiend bieten sie ihre Ware an. Schulkinder ziehen einzeln oder in Gruppen, mit Frühstück, Büchern und Gartenbangeräten versehen in die Schule. Die Postwagen fahren eilig durch die Straßen. Die Glöckchen am Pferdehals klingeln schon von weitem, wenn der Wagen vorgefahrcn kommt, um die Passagiere für die Fahrt nach Jaffa abzuholcn. Gar reges Leben und Treiben herrscht vor der Post. Hier erfährt man alle Neuigkeiten, hier wird Geld gewechselt, bis hierhin begleitet man die Abführenden, gibt den Freunden, die nach Jaffa fahren, Aufträge, und nimmt Abschied von denen, die von Jaffa ans weiteifahren. Noch nachdem die Wagen abgefahren sind, stehen hier und da Gruppen lebhaft und laut verhandelnder Juden, die hier über Geschäfte, Gemeinde- und Verwaltungsangelegenheilen beraten Erst allmählich verteilen sich die Leute, die Kolonisten gehen oder reiten in ihre Pflanzungen, die Kanfleute und Handwerker kehren in die Kolonien zurück. Die eben noch so vollen, lauten Straßen liegen ruhig und still da Nur vor der Apotheke herrscht noch ein lebhaftes Hin und Her Große und kleine Leute lassen sich täglich die entzündeten Augen schmieren, Frauen bringen ihre Kinder zum Impfen und Kranke suchen den Arzt oder den „Feldscher" auf. Nach Schluß der Sprechstunde wird es auch hier ruhig und still und bleibt es ruhig in der ganzen Kolonie bis zum Abend. Nur mittags wird die Ruhe ein wenig unterbrochen, wenn die Schulkinder ihre zweistündige Mittagspause haben. Doch abends, bald nachdem die Fcierabendglocke geklungen hat, wird es wieder lebendig und aus dem Dorfleben wird binnen einer halben Stunde das rege Leben und Treiben eines Städtchens. Der Hirt treibt die Herden heim, Wagen und Karren bringen Viehfutter, Holz oder Frucht aus den Pflanzungen und die Arbeiter kommen truppweise vom Felde oder aus der Orangerie. Die Postwagen kommen von Jaffa zurück, die Passagiere erzählen die neuesten Ereignisse, die sie in Jaffa erfahren haben, junge Mädchen gehen spazieren, Frauen erledigen ihre notwendigen Einkäufe und wer einen Brief erwartet, geht zur Post. Hier herrscht jetzt großes Gedränge. Die Zeitungen werden verteilt, die Tagesereignisse werden besprochen, alles was in der Schule, im Haus, in der Apotheke, in der Verwaltung, zwischen den Arbeitern und zwischen den Kolonisten vorgekommen ist, wird kritisiert. Noch bis spät in die Nacht hinein herrscht Leben und Treiben. Diele Baale-Habatim lernen im Beth-Hamedrisch, viele Kolonisten gehen zur Versammlung ins Bcth-Hawaad, die Arbeiter lärmen in ihrem Klubhaus, manche gehen in die Bibliothek und andere gehen spazieren.