Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 1 (1915)
- Issue
- 6 (12.1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6467833-6467833-9641066-9641074--0116-6468164- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M. L., Die Lage der jüdischen Kolonien in Süd-Palästina. 9 Die Lage der jüdischen Kolonien in Süd-Palästina. von M. L. Im ganzen West-Iordanland, südlich von Gaza bis zum Futze des Hermon liegen jüdische Kolonien, an manchen Stellen, so z- B. in der Um gebung von Jerusalem, Jaffa, Haisa und Tibcrias dicht beieinander, an anderen Stellen zerstreut und durch weite, unbequeme Fahrten von ander getrennt. Sie alle wurden gegründet, um allmählich immer me r Boden in Palästina zu erwerbe», um den vertriebenen Juden eine Heim zu schaffen, und um einen jüdischen Bauernstand entstehen zu lasten die Art und Weise, wie die Organisatoren und die Kolonisten resen Zweck verfolgen, ist natürlich sehr verschieden, z. B sind große Unter > zwischen den Kolonien Judäas und Galiläas. Ihrer Lage, Einwohnerz und wirtschaftlichen Bedeutung nach, und für uns auch besonders in re lg ' Hinsicht, sind die judäischen Kolonien wichtiger. Darum wollen Folgendem uns hauptsächlich mit ihnen beschäftigen. Die grösste unter den judäischen Kolonien ist Petach-Tiirwah, mit 4000 Einwohnern, ungefähr 2 Stunden nördlich von Jaffa- Verfolgen wir einmal das Tagewerk unserer Kolonisten Bei Sonnenaufgang ertönt die erste Glocke, den Arbeitern ein Zeichen, aufzustehen und bald darauf die zweite. Dieser Glockenklang versammelt alle Arbeiter und Arbeiterinnen vor der Post. Von dort aus ziehen sic gruppenweise, teils aus Eseln reitend, teils zu Fus; in die Orange-, Mandeln-, Wein- und Olivengärten, die oft in großer Entfernung von den Kolonien liegen. Auch die anderen Straßen beleben sich rasch. Männer gehen nach Schul oder in ihr Minjan. In unserer großen Schul wird nämlich von Sonnenaufgang bis gegen lO UHr morgens Schacharis gedawnet. Sobald 10 Leute beisammen sind, beginnen sic für sich zu dawnen; so beten oft gleichzeitig mehrere Minjonim, nur wenige Bänke von einander getrennt. Auch alte Frauen sind an Wochentagen in Schul, im Esras Noschim. Inzwischen laufen andere Frauen eilig zum Markt und kaufen von arabischen Händlern Gemüse, Eier und Früchte, bringen ihr Hühnchen oder Täubchen zum Schauchet und holen ihr Fleisch vom Metzger. Der Hirt sammelt das Vieh aus den verschiedenen Ställen, um es auf die Meide zu treiben. Wagen und Karren fahren hin und her, um Wasser und Futter in die Pflanzungen zu bringen- Mit Eierkisten beladene Esel, mit Holz- und Kohlensäckcn beladene Kamele werden von Arabern