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Blätter · 1915-12-01 · 6 (12.1915) · p. [Seite]

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Journal
Blätter
Volume
1 (1915)
Issue
6 (12.1915)
Date
1915-12-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Rabbiner Dr. A. Cohn-Basel Aus neutralem Lande. 5 Prozesse das Judentum auf die Anklagebank gezerrt unter der Beschuldigung des Ritualmordes, an den sic selbst nicht glaubten. Sie benutzten das Recht und die Formen des Rechtes zur Krümmung des Rechtes. Sie wollten dem Judentum eine Schmach antnn und für künftige Progrome den Boden vorbereiten Da hoffen wir bestimmt — und wenn wir unter den Folgen des Krieges leiden, so möge dieser Gedanke uns aufrichten und erheben datz dieser unheilvolle Kampf für unsere Glaubensbrüdcr in Rußland bessere und lichtvollere Zeiten heraufführen wird. Wie einst unsere Väter in Ägypten aus Schmach und Knechtschaft und Not zu Gott riefen, und Er erhörte ihre Stimme, so hat Gott auch das gekränkte Recht und das gekrümmte Recht unserer Brüder gesehen, und da Menschen nicht halfen, so wird Er helfen. „Hoffe auf Gott, stark sei und fest dein Herz und hoffe auf Gott." Wenn am Ende des Winters rauhe Stürme die Welt durchtobe», so erschrecken wir nicht. Wir wissen, das; sie die Borboten einer schöner» Jahreszeit sind. Auch in den Kriegsstürmen der Gegenwart wollen wir das Frühlingswehen einer bessern, glücklichern Zeit erblicken. „Die Not lehrt beten", möchte dieses bekannte Bolkswort sich auch an nns bewähren, möchte die Not uns zu Gott führen, der allein sie beendigen kann und dessen Macht wir auch im Kriegslärm und im Schlachtengetümmel verehren. Wie von den edeln Metallen, Silber und Gold, im Glutofen die Schlacken falle», so werden edle Menschen im Unglück besser und geläuterter, sie Klagen nicht Gott und das Schicksal, sie Klagen nur sich selber an und suchen, besser, reiner, selbstloser zu werden. Als der alte jüdische Staat noch bestand, muffte vor der Schlacht der Priester, denen, die sich zum Kampfe rüsteten, zurnfen: „Wer furchtsam ist und zaghaften Herzens, der kehre um" (IV. B. M. 2«. 8.) Die Weisen im Talmud (Sota 44 B) meinen, daß Furcht und Angst des Herzens ihren Ursprung im Schuldbewufftsein des Menschen haben. Das böse Gewissen, das Gefühl mit Gott nicht einig zu sein, sei die Quelle der Zaghaftigkeit. Als Beispiel einer Sünde wird angeführt: Wer zwischen den Tesillin, die wir an den Arm und denen die wir an den Kopf legen, eine Unterbrechung eintreten läßt. Ist diese Sünde, wenn mir die Worte der Weisen etwas tiefer fassen, nicht weit verbreitet in unseren Tagen? Wir legen die Tesillin an den Kopf, als Symbol, daß wir Gott mit dem Verstand und dem Gemüt dienen wollen; wir legen sie an den Arm als Zeichen, daff unser körperliches Leben sich nach den Vorschriften der Religion

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