Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1915-09-01 · 4 (9.1915) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
1 (1915)
Issue
4 (9.1915)
Date
1915-09-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6467833-6467833-9641066-9641072--0070-6468122
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Moses Jacobson z. Z. im Felde 7 Welche segensreichen Folgen h. d. Krieg fiir uns Juden i. Felde? troffenen hehre» Größe unserer Tora i» mannigfacher Weise noch zu vertiefen. Vielleicht noch nie in unserem Leben bot sich uns eine solch günstige Gelegenheit wie gerade im Schützengraben, uns mit dem Inhalt der Bibel vertraut zu machen. Im Stcllungskampf, wie er jetzt fast überall geführt wird, ist unsere freie Zeit im Allgemeinen nicht knapp bemessen; da empfindet naturgemäß jeder von uns die Verpflichtung, sich nach Möglichkeit mit jüdischen Dingen zu beschäftigen. Zum eigentlichen „Lernen" fehlt es an den nötigen Hilfsmitteln, sicherlich kann bei einem „Gemeinen", der seine ganze Habe mit sich hernmschlcppcn muß, von einem Talmudstudium keine Rede sein. Eine Vibel in Taschenformat kann aber jeder stets bei sich haben. Lesen wir täglich einige Kapitel mit Aufmerksamkeit und suchen uns den Inhalt cinzuprägen, - das füllt uns jetzt, wo das Gehirn nicht mit anderem Wissensstoff überlastet ist, bei weitem leichter als früher, — dann werden wir es erfahren, wie „die Gotteslchre in ihrer Vollkommenheit das Gemüt beruhigt, in ihrer Lauterkeit das Herz erfreut, in ihrer Klarheit die Augen erleuchtet". Im Frieden verwandte der echte Iehudi mit Recht mehr Zeit ans das Forschen in Talmud und Schulchan Arnch als für das Studium der Bibel, bildet doch die praktische Übung des Religiousgesetzes und die hiermit gebotene Kenntnis der einzelne» Vorschriften Kern und Wesen des Judentums. Aber in dieser Zeit, wo leider eine erfolgreiche Fahrt auf dem unermeßlichen Meere des Talmuds uns unmöglich ist, müssen mir cs als ein Glück im Unglück ansehen, die Schönheiten der Vibel ungestört genießen, und aus dem frischsprudelndeu Quell heiliger Gedanken Trost und Beruhigung in unserer schwierigen Lage schöpfen zu können. Besonders das von den meisten selten durchquerte Land der „ersten Propheten" übt in diesen Tagen eine starke Anziehungskraft auf unser Gemüt aus. Es zaubert in unserer großen Zeit die Bilder von Männern und Frauen einer großen Vergangenheit vor unser geistiges Auge. Da erscheint uns der tapfere Iosua, der kühne Gideon, der mackere Iiphtach, der kraftstrotzende Simso», ein König Saul in seinem krankhaften Schwanken, ein Jonathan in seiner Frcundschaftstreue, ein David in seinem königlichen Heldenmut, ein Salomo mit seiner allesdurchdringenden Weisheit, ein Elijahu in seinem glutentslammteu Eifer, ein Elischa mit seiner wuuderwirkenden Tatkraft; Frevler wie Ierobeam, Rcchabcam und Achab in ihrer Verderbtheit und Männer wie Josaphat, Chiskijahu und Iosijahu in ihrer Sittcnreinheit, eine Debora in ihrer Entschlossenheit, eine Delila in ihrer Verschlagenheit und eine Channa in ihrer Gesühlsinnigkeit. Und überall klingt das Wort jener Königin aus dem Morgenland hindurch, das uns noch heute in unserem Schmerz und Gram aufrich-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.