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Blätter · 1915-09-01 · 4 (9.1915) · p. Seite 6

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Journal
Blätter
Volume
1 (1915)
Issue
4 (9.1915)
Date
1915-09-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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6 Moses Jacobson z. Z. im Felde Welche segensreichen Folgen h. d. Krieg für uns Juden i. Felde? wenigstens unsere Körpcrkräste nicht durch ein unvernünftiges, ausschweifendes Leben vergeudet und, wenn nicht das positiv Gute getan, so doch das Böse gemieden, und die Unterlassungssünde war in der Uberbürdung des Berufes begründet. Aus jeden Fall ist die körperliche Betätigung, zu der uns jetzt reichlich Gelegenheit geboten wird, aber für die Förderung unserer Gesundheit von unschätzbarem Nutzen. Wir erlernen die Kunst, mit Hacke und Spaten umzugehen und schwere Lasten zu schleppen; diese Arbeiten machen unsere Sehnen und Muskeln stark und kräftig, unseren Körper widerstandsfähiger gegen äuszerc Einflüsse. Dank unserer optimistischen Weltanschauung stimmen wir nicht in den Klagcgesang der ängstlichen Gemüter ein, die uns als sichere, traurige Folge des Lebens im Schützengraben unheilbare, innere Krankheiten oder dauerndes Siechtum prophezeien. „Die Abgesandten eines edlen, heiligen Werkes erleiden keinen Schaden", der Ewige behütet die geraden Weges Wandelnden. In noch höherem Maße vermögen wir unserer jetzigen Lebensweise Lichtblicke abzugewinnen für unsere jüdische Auffassung. Zunächst einmal bewirkt der ständige Aufenthalt in freier, reiner Natur, das; wir es lernen, das Walten und Wirken des Schöpfers in der Natur zu belauschen und zu bewundern. In der Großstadt haben mir cs verlernt oder von Jugend auf überhaupt nicht gelernt, das Dasein Gottes im Leben der Natur zu erkennen. „Das Walten des Ewigen schauten wir nicht, und das Werk seiner Hände sahen wir nicht". Wenn wir jetzt auf unserem Posten in dunkler Nacht zum mondgeschmllckten, sternenbesäten Himmel aufblicken, so werden wir uns mit dem königlichen Sänger unserer Winzigkeit und Nichtigkeit gegenüber der Größe und Erhabenheit des Schöpfers so recht bewußt. „Was ist der Mensch, das; Du Dich seiner erinnerst, und der Erdensohn, daß Du ihn bedenkst'?" Und wenn uns auch nicht der sanfte Ton einer Aeolsharfe dem Schlummer entreißt, sondern die oft recht rauhe Stimme eines Kameraden, so empfinden wir doch mit dem Frühaufsteher auf dem Königsthron die bescelizende Wonne des Gefühls, „die Morgenröte zu erwecken". Wie innig vermählt sich dann das kindliche Staunen über das an jeglichem Morgen durch Gottes treue Fürsorge sich erneuernde Schöpfungswerk mit dem innigen Dank für unser Leben, das der Allgütige wieder in den Schrecken einer Kriegsnacht behütet und zu neuer Tätigkeit bestimmt hat! Wie der Psalmist jedoch in Kap. lg., nachdem er die Natur besungen und die Majestät des Sonncnballs geschildert, in Vers 8 zur Bewunderung der Gotteslehrc übergeht, als wolle er sagen, ihre Vorzüge übertreffen die Vollkommenheit der Natur, so haben auch wir im Felde Veranlassung, die bereits in uns lebendige Ehrfurcht vor der unüber-

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