Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 1 (1915)
- Issue
- 4 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I L Hermann Schivab-Halberstadt / Rausch Haschonoh Rausch Haschonoh! Aus dem Schaff der Ewigkeit steigt ein neues Jahr empor, ein Jahr mit seinen Begleitern, neuen Mühen und neuen Erfolgen, neuen Hoffnungen und neuen Enttäuschungen, aber der Mensch schreitet zuversichtlichen Herzens durch das dunkle Tor der unbekannten Zukunft, und wenn er auch Leid erfahren hätte und Kummer — immer aufs neue wird er das kommende Jahr als ein gutes Jahr sehnsuchtsvoll erhoffen. — Also auch mir an der Schwelle eines neuen Tischri; also auch der groffe Kreis, dem diese Blätter in erster Linie gewidmet sind und so auch der weit grössere, den die Agudas Iisroel für das zerstreute, aber in seiner Thora geeinte jüdische Volk bedeutet. Auch für diese jüngste und zugleich älteste aller jüdischen Organisationen haben die zwölf Kriegsmonate des letzten Jahres viel unerfüllte Wünsche und getäuschte Hoffnungen bedeutet! im Aufbau unterbrochen und in der Weiterentwickclung gehemmt, muffte Agudas Iisroel die planmäffige Fortführung grvff angelegter Arbeiten unterbrechen, uni sich lediglich der Linderung der durch den Krieg geschaffenen furchtbaren Notlage zu widmen. Vielfache Hilfeleistungen sind, wie au anderer Stelle geschildert, erfolgreich durchgeführt worden und hätten einen noch gröffereu Umfang anuehmeu können, wenn die durch Sammlungen geschaffene Fonds den: unbeschreiblichen Elend entsprechen würden. Der Ruf nach Auffüllung dieser Hilfskassen Kanu daher nicht laut genug erhoben werden, unsomehr als sich hinter den bedeutsamen Aufgaben, deren Lösung bereits begonnen, heute andere, im Umfang noch weit gröffcre, erheben: Die organisierte Hilfe für die Huuderttausende, die durch die deutschen Siege in Polen und Kurland dem Joche der russichen Sklaverei entronnen sind. — Der 1ö. Aw, der dem trauernden Israelsvolke alljährlich den Trost der Hoffnung bringt, er brachte den doppelt Trauernden im Lande des gesetzlich geförderten Raubes und des organisierten Massenmordes, das nur durch ein Versehen auf der Karte Europas prangt, den Beginn der tausendfach ersehnten Freiheit. Noch wissen wir nichts über die zukünftige Gestaltung des Polenreiches, nichts über seine politische Zukunft, nichts Uber die Stellung, die es im Rat der Völker einzunehmen berufen ist; nur, das; es nicht wieder der ertötenden Umarmung des russischen Bären verfallen darf — das wissen wir! Mögen die Auserwählten unter den Menschen, die berufen sein werden die Geschicke Europas und der Welt — soweit es Menscheneinsicht vermag — neu zu gestalten, das Schicksal Polens sorgsam erwägen und möge bei ihren Entschlieffungen die Inte-