Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 1 (1915)
- Issue
- 2 (5.1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wolf S. Jacobson-Hamburg Zum Schomuausfest. 3 wird, das ist ein Preis, für den keine Mühe zu groß und kein Kampf zu blutig!" Dies Wort sprach ein gefürsteter Deutscher, und wir Juden, die den Begriff „Scholaum" noch weiter, noch tiefer deuten, wir verstehen das Wort noch besser. - Wir verstehen unter „Scholaum" Harmonie, Vollendung, Ganzheit, Abgeschlossenheit, Vollkommenheit, und wir glauben und wissen, daß dieser Krieg der Menschheit bringen wird solchen „Scholaum"! Wir sehen in ihm den gewaltigen, eisernen Schmelztiegel, aus dem die Menschheit geläutert, und von allen Schlacken befreit, hervorgehen wird. Ja, „um den Scholaum kämpft die Menschheit, den Scholaum, den niemand mehr zu stören wagen wird, das ist ein Preis, für den keine Mühe zu groß und kein Kampf zu blutig". Und das was des Krieges rauhe Sprache kündet, ist nichts anderes als die Melodie unseres Festes. — Ich bin der Ewige, dein G'tt, der Egypten gestraft und niederschmettert alles, das gegen seine Wahrheit sündigt. — Mache dir keine fremden Götter, denn das Gold und der Ruhm und die Pracht, sie gelten heute nichts — garnichts! Sprich nicht den Namen G'ttes zum Vergeblichen aus, daß du für bedrängte Unschuld und gebrochene Neutralität zu Kämpfen vorgibst, wo nur der Neid und die Gier dichtreibt, G'tt läßt's nicht ungestraft. Gedenke des Sabbats, ihn zu heiligen! Du hattest keine Zeit, ihn zu feiern und keinen Sinn, seiner dich zu freuen, der Krieg zwingt dich, Zeit und Sinn zu finden, um einer Aufgabe zu dienen, deren Früchte auch nicht deinen Beutel füllen. Sabbatruhe lehrt dich, eines Höheren Willen blind und treu erfüllen; lehrt Kriegsdienst dich anderen Pflicht? Ehre Vater und Mutter, Kämpfe für dein Vaterland und deine Muttersprache, damit du mit deinen Volksgenossen lang und glücklich und durch niemanden gestört lebest auf dem Boden, dessen Ertrag dich ernährt, dessen Frucht dich sättigt — Und „morde nicht"! und „ehebreche nicht!" und „stiehl nicht!" und „lüge nicht!" und „gelüste nicht!", auch das, ja gerade das, lehrt dich der Krieg. Seine Schrecken, sowie Greuel und Verwüstungen, sie reden zu dir in gewaltiger, furchtweckender Sprache. Nun, da die Vielen fallen, siehst du, wie teuer jeder Einzelne, du siehst das Werk der ungezügelten Begier, der ungehemmten Raubsucht und du bist erstarrt in Schrecken. Du siehst die Lüge am Werk und die Verleumdung ihr schamloses Spiel treiben — und du errötest — und du siehst die furchtbaren Folgen, die Genußsucht und Habsucht nach sich schleppen, und du zitterst I —