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Blätter · 1915-03-01 · 1 (3.1915) · p. Seite 8

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Journal
Blätter
Volume
1 (1915)
Issue
1 (3.1915)
Date
1915-03-01
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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8 Dr. L. Deutschländer, Die Belehrung unserer Bibel i. d. Gegenwart Die Belebung unserer Bibel in der Gegenwart von Dr. Leo Deutsch! ander. Berlin. Noch sind nicht 20 Jahre verflossen, da ward in den Kreisen der Gelehrten gar heftig über die Frage gestritten, ob das „Alte Testament" im Religionsunterricht einen Platz behaupten solle, oder „als eine sekundäre und im Grunde überflüssige Autorität" besser ganz aus der Schule zu entfernen sei. Denn die Einführung des Kindes in die altbiblische Gedankenwelt, stelle keine Förderung seines Geistes dar, bedeute nur eine Rückkehr ans eine niedere, bedeutungslos gewordene Stufe der menschlichen Kultur. In ungleicher Weise hallte das Echo solche Darlegungen zurück. Wir übergehen den Freudentaumel derer, die aus berufsmäßiger Ablehnung alles Religiöse, oder alles Jüdische im Besonderen in den Ruf auf Verwerfung, unsrer Bibel einstimmten; wir beachten nur das Urteil der ruhigen Forscher, der geistigen Führer des deutschen Volkes. Von bedeutsamen Stellen ward da verkündet, was in der Gegenwart von neuem erklingt. „Die Weltgeschichte hat das geistige Leben Israels zu einer der Grundlagen der Kultur der europäischen Völker gemacht. Eine Umwälzung, deren Folgen kein Lebender ermessen kann, würde es sein, wenn dieser Grundstein je verrückt werden würde." Doch die Massen haben, wir müssen bittere Wahrheit gestehen, solche Worte nicht gehört und nicht geglaubt; das Leben hatte sie nicht zu unsrer Bibel geführt und in Unkenntnis des höchsten Schatzes, welcher der Menschheit geworden, lebten sie ihre Tage dahin. Da kam der Krieg mit seiner gewaltigen, furchtbaren Kraft. Eine große gähnende Kluft öffnete sich, nicht allein um Millionen von Menschenleibern in ihre Tiefe zu ziehen, um auch den Idealen der Vergangenheit, den Hoffnungen der Zukunft, das düstere Grab zu bereiten. Und es verstummte der Mensch in seiner Qual; es schwieg die Harfe des Dichters, die Rede der Weisen. Schwieg auch noch, als die erste Ohnmacht leise entflog und die Seele des gottsuchenden Menschen sich emporschwang, zum Helfer des Alls. Da als Millionen wie nie vordem vor ihren: Schöpfer standen, Demut vor ihm im Herzen und doch von Todesmut und Todeshaß beseelt in diesem Augenblick durchzuckte wie ein Feuerstrahl die Herzen all unserer nicht jüdischen Brüder das machtvolle Wort des „Alten Testaments". So hatten sie das ewige Werk benannt, und als

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