Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 12 (12.1918)
- Date
- 1918-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
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14 Zusammenhängen unter den Meinungen der Gelehrten gewesen war, in dem Maße, wie er sich bisher an „Chiduschim" berauscht hatte, so gleichgültig war er jetzt solchen „Entdeckungen" gegenüber. Ja, der ganze Pilpul, noch mehr, das ganze ernste Gebiet der Halacha, war ihm verleidet. Wie wir das so oft bei fruchtbaren Geistern, so war es auch bei ihm: die erste Enttäuschung ließ ihn in seinem Schaffen erlahmen. Sein Rabbi und seine Jeschiwahgenossen sahen mit Bedauern diese Veränderung. Aber sie sollte nur zum Segen sein. Seine bisherige Produktivität und das ihm zu Grunde liegende ehrgeizige Streben und Betätigung waren zu unnatürlich gewesen, als daß es für die Charakter- und Gcmütsbildung des Knaben heilsam gewesen wäre. Jetzt war seinem drängenden Ehrgeiz Halt geboten worden. Er hatte Jahre lang einem Phantom nachgejagt. Das wirkte ernüchternd — und zugleich befruchtend. In der nächsten Zeit erging er sich in dem Blumengarten der aggadischen und midraschischen Schriften, und so manche Probe förderte der kleine Gelehrte da zu tage. Und nicht zuletzt diesen zwei Jahren hatte er es zu verdanken, daß er nach der darauffolgenden Rückkehr zur Halacha eine viel anregendere Sprache fand. Bald stand er fester denn je auf dem Boden, den er vor zwei Jahren verlassen hatte, als er — 15 Jahre alt — die Jeschiwah von Jttingen, die Stätte seiner ersten Erfolge wie seiner ersten Enttäuschungen, verließ. Er ging nach Fürth, wo damals Rabbi Joseph Meinhardt lehrte. Dort begann eigentlich erst das rechte, schönste Bachum rimleben für ihn. Und wie sein Fleiß immer größer, seine Liebe zur Thora immer heißer und seine Aussichten immer glänzender wurden, so blieb sein Wesen sich gleich, bescheiden und liebenswert ivie zuvor, sodaß sein Lehrer keinen Anstand nahm, ihm eine Auszeichnung zu. verleihen, die sonst nur älteren Bachurim, vor Übernahme eines selbständigen Lehramts zuteil wurde: Er bekam den Titel eines “nmtPÜ, d. h. eines „Freiherrn", damit waren für ihn die tastenden schwankenden Kinder- und Knabenversuche vorbei. Aus dem Wunderkind war ein großer Rabbi geworden. Als der Wohltäter seiner Kindheitsjahre, R. Markbreiter, dem er stets ein dankbares Andenken bewahrte, ihn nach Nikolsburg kommen ließ, um über seine Verheiratung mit ihm zu sprechen, konnte er mit Genugtuung seststellen: Was der Knabe versprochen, hielt der Mann. Verwendet Agudas Jisroel-Marken! Zu beziehen durch das Büro der A. J. J. O. — Frankfurt am Main, Am Tiergarten 8. —