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Blätter · 1918-12-01 · 12 (12.1918) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
12 (12.1918)
Date
1918-12-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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12 sein, sie immer mehr zu vertiefen. 11 Jahre war das „Wunderkind" alt, da war er auch dem zweiten Lehrer entwachsen. Jetzt war guter Rat teuer. Der Junge sollte eine Jeschiwah beziehen. Wir können uns das heute nicht gut vorstellen, daß ein 11 jähriger Knabe auf die Universität geschickt werde. Und doch entspricht die Jeschiwah in Bezug auf die Forderungen, die sie an Geistes- und Auffassungskraft der Zöglinge stellt, einer Hochschule. Solche Hochschulen gab es damals allenthalben im Osten und Westen. Aber nicht alle waren gleich berühmt. Markbreiter war sehr befreundet mit einem sehr gelehrten Raw im Elsaß, der in Jttingeu eine Jeschiwah leitete, und dem wollte er den kleinen Binet anvertrauen. Man braucht nur zu bedenken, mit wie viel Schwierigkeiten noch heute, wo Eisenbahn und andere Verkehrsmittel zu Gebote stehen, eine Reise von Nikolsburg nach dem Elsaß für einen 11 jährigen Knaben verbunden ist, dann kann man sich des Staunens nicht erwehren, wie sich jene Menschen damals, ein Jahr nach dein siebenjährigen Kriege, dessen Spuren Wohl noch in der Unsicherheit der Verhältnisse zu Tage traten, sich entschließen konnten, den kleinen Mordechai die Weite Reise machen zu lassen. Aber das ist das Großartige an den Juden jener Zeit: daß sie trotz der Ghettoschranken, in denen sich ihr Alltagsleben abspielte, bei wichtigen Dingen eine ganz moderne Großzügigkeit und Weite des Gesichtskreises zeigten; darum war der „Hofjude" damals so geschätzt. Wenn cs sich gar um die Erziehung handelte, da waren keinerlei Hindernisse unüberwindlich. So machte der 11 jährige Binet eine Reise durch ganz Deutschland, um in Jttingen das Ziel seiner Sehnsucht, die Jeschiwah, kennen zu lernen. Das war etwas Neues. Wohl schämte er sich anfangs vor all den vielen älteren „Bachurim". Lange hütete er sich da, seine Meinung zu äußern. Aber im Hause des Rabbis fand er in dessen Sohn einen Altersgenossen, der ihm freilich an Kenntnissen und Anlagen um vieles nachstand. Mit ihm sprach er sich ans, diskutierte er, und wie freute'er sich, wenn der Rabbi aufmerksam wurde und entschied, wie Mordechai entschieden hatte, wenn er sagen konnte: „Boruch schekiwanti". Und heinllich, ganz insgeheim, legte er Hefte an und begann zu „schriftstellern". Die Thora begann er zu erläutern, zu Pcßach machte er sich an die Erklärung der Haggada und schließlich auch an die Behandlung verschiedener „Sugiaus", halachischer Themen, nach dem Talmud. Sein geheimes Sinnen und Trachten befruchtete vor allem jene Stunden, in denen andere sich Muße gönnten. Und welch' ein Jubel erfüllte sein Inneres, wenn er sich auf richtigem Wege wußte, wenn nicht nur seine Geisteskraft und Geschicklichkeit, sondern auch sein „Dercch- Halimud", die Methode des Lernens, die er sich angeeignet hatte, bei dieser Gelegenheit erprobt wurde. So kam der 13. Geburtstag heran, und mit ihm der Tag, wo

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