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Blätter · 1918-12-01 · 12 (12.1918) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
12 (12.1918)
Date
1918-12-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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11 sagte weiter der Vater. Jetzt kannte die Freude des Knaben keine Grenzen, und sein Dank äußerte sich, indem er bald den Vater, bald die Mutter umschmeichelte. „Wann darf ich zur Großmutter?" „Morgen schon; aber wer wird dort darauf sehen, daß mein Mordechai auch so brav bleibt, wie er hier war?" „Der liebe Gott; er sicht doch ins Herz und lenkt doch die Schritte eines jeden Menschen, wie Du mir am Rosch-Haschono gesagt hast." Dieser Tag verging schnell, und wie im Traum kam der nächste und mit ihm die Stunde der Abreise. In einem Postwagen, wie es damals üblich war, fuhr der Knabe nun durch die fruchtbaren Gefilde die mährisch-niederösterreichische Grenze entlang. So aufgeweckt wie der Knabe sich zu Hause zeigte, war er auch auf der Reise: für alles empfänglich, was er sah. Es dauerte nicht lange, so waren sie auch schon in Nikolsburg, wo die Großmutter ein kleines Häuschen, womöglich noch ärmlicher als die Eltern, bewohnte. Aber die Ärmlichkeit störte unseren Mordechai nicht. Er fühlte sich ja so reich, seitdem er dem Lehrer vorgcstellt und zum erstenmal verhört worden war! Was er hier im Kreise von etwa 20—30 Kindern lernte, sah und erlebte, erzählte er der Großmutter, und diese schrieb mehr als einmal an Vater und Mutter von der Freude, die der Junge nicht nur ihr, sondern auch dem Lehrer mache. Einmal in der Woche war „Verhör", d. i. Prüfung. Und bei Gelegenheit eines solchen war es, wo der Rosch-hakohol, der Vorstand der Gemeinde, namens Marktbreiter, auf den schwächlichen, kleinen Knirps aufmerksam wurde, der durch seine vernünftigen Antwor en vor den anderen sich auszeichnete. Der Knabe machte einen solch tiefen Eindruck auf ihn, daß er beschloß, ihn zu sich zu nehmen, und dies umso lieber tat, als er erfahren Hatto, wie schwer die Großmu ter zu kämpfen hatte, und daß sie sich so manchen Bissen vom Munde absparte, um für Mordechai sorgen zu können. Das sollte ein Ende nehmen. Mordechai siedelte ins Haus des reichen Gemeindevorstehers über wo er wie ein eigen Kind behandelt wurde. Aber wenn er jetzt auch zu essen hatte, gekleidet und genährt wurde wie die reichen Kinder der Gemeinde, so blieb er in zwei Dingen ganz der Alte: in seiner Bescheidenheit und seinem Eifer. Seine glänzenden Geistesgaben traten durch seinen Eifer immer mehr hervor; aber er in seiner Bescheidenheit hätte sich nie eingestrnden. daß er beim bisherigen Lehrer nicht viel mehr lernen könne. Der Lehrer selbst und vor allem sein Wohltäter Markbrciter hatten es bald genug erkannt. Mordechai bekam nun einen eigenen Lehrer, und jetzt erweiterten sich seine Kenntnisse nach allen Seiten, und er ließ es sich angelegen

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