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Blätter · 1918-12-01 · 12 (12.1918) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
12 (12.1918)
Date
1918-12-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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II) den gesunkenen Mut seiner Glaubensgenossen, dort sammelte er, was er von jüdischer Literatur fand, um es der Vergessenheit zu entreißen. Endlich fand er in Ägypten ein Ruheplätzchen. - Jüdische Kinder können aber von dem lahmen Akrisch lernen: Wie man trotz körperlichen Beschwerden den Willen zum Leben und zum jüdischen Leben, den Glauben nicht verlieren muß. I. Mordechai Binet. Mordechai Binet stammte aus einem hochangesehenen Geschlecht. Aber die Verhältnisse, uüter denen er im Jahre 1753 in einem kleinen Dorfe Mährens geboren wurde, waren sehr ärmlich. Mordechai nannten ihn die glücklichen Eltern nach seinem Großvater. Denn nicht nur auf ihn waren sie schon stolz, sondern vor allem auf das Erbe, das sie diesem Söhnchen mit in die Wiege legen konnten, das S'chus Owaus, das heißt das Verdienst der Väter, die die Ahnen des Vaters und der Mutter waren. Als Mordechai noch kaum verstand, was die Eltern zu ihm redeten, erzählten sie schon von den Großvätern. Und wie er dann die großen Bücher wälzte, und mit neugieriger, unersättlicher Fragelust die Eltern bestürmte, ihm zu erzählen, was da geschrieben und wer das geschrieben, da bekam er selbst einen Begriff von der Größe seiner Ahnen. Da war ein Buch, das er mit besonderer Ehrfurcht betrachten gelernt. Das war der „Chachcm Zwi" des berühmten Rabbi Zwi Hirsch Aschkenasi, von dem sein Vater abstammte. Oder sein Vater erzählte ihm von dem Kampf seines Ahnen R. Jakob Emden gegen Jonathan Eibenschütz, ein Kampf, der die ganze zeitgenössische Judenheit in 2 Lager gespalten. Oder seine Mutter erzählte ihm von ihrem angesehenen Vater, der als Rabbiner in Frankfurt a. M. weit und breit bekannt war. Unser Mordechai wußte cs nicht anders, als daß er diesen frommen und gelehrten Männern einst gleichkommen müsse. Dazu wollte er sich vorbereiten, wollte auch fromm und brav und vor allem klug, recht gescheit werden. So oft der Vater etwas Zeit für den Jungen übrig hatte meist war dies am Samstag der Fall — wurde er „ausgefragt". Da merkte der Vater zu seiner Freude, daß Mordechai längst über sein Alter hinaus war; aber mit Schrecken wurde er sich der schweren Pflicht bewußt, die ihm jetzt erwuchs, denn cs handelte sich um nichts geringeres, als um die Trennung von seinem Kinde. Gab es doch in dem Orte keine Talmudtoraschule! Eines Tages rief der Vater Mordechai, der damals noch nicht 5 Jahre alt war, zu sich heran, während die Mutter ihn unter Thränen lächelnd anblickte, und fragte ihn: „Möchtest Du zur Großmutter nach Rikolsburg?" Der Knabe antwortete nicht, aber seine glänzenden Augen, d»e erwartungsvoll auf den Vater gerichtet waren, redeten lebhaft. „Du sollst dort in die Talmud-Tora-Schnlc",

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