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Blätter · 1918-10-01 · 10/11 (Oktober-November 1918) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
10/11 (Oktober-November 1918)
Date
1918-10-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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- 12 - allein ein jüdisches Bolk Existenzberechtigung hat, und ihre Bemühungen sind natürlich in erster Linie, bevor sie „praktische" Arbeit leistet, darauf gerichtet, ethische Arbeit zu tun und durch Selbsterziehung unser Volk für die Erfolge einer praktischen Arbeit vorzubereiten. Ganz ungeheuerlich aber ist der zweite Vorwurf, den Herr Fromm sich leistet, der Vorwurf des Separatismus. Es war Herrn Fromm erst Vorbehalten, diesen so zu erweitern, Wie ihn die wütendsten Liberalen noch nicht erweitert haben. „Weil das Volk ein heiliges" so schreibt er „unter dem Gesetz der Thora stehendes sei, so kann der einzelne, der dieses Gesetz nicht anerkennt, nicht mehr zum jüdischen Volk gezählt werden, und man kann mit ihm in keiner Weise und in keiner Angelegenheit zusammen gehen. Man blickt aus den abgefallenen, nicht gesetzestreuen Teil des jüdischen Volkes mit Mitleid, nein, mit völliger Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit". Hat Herr Fromm wirklich geglaubt, man lehne ein Zusammengehen in jeder Angelegenheit ab? Wir können uns das nicht denken. Daß die Erwachsenen es nicht taten und tun, muß er aus der Geschichte der Gemeinde Frankfurt a. Ni. wissen, in der er groß geworden ist, daß die Jugend den Standpunkt nicht einnimmt, hätte er in Würzburg erfahren können, wenn er es der Mühe für wert gehalten hätte, sich genau zu merken,, was dort beschlossen wurde, daß nämlich ein dauerndes Zusammenarbeiten mit nicht auf gesetzestreuem Moden stehenden Organisationen nicht eingegangen werden sollte, von Fall zu Fall dagegen, nach Anhörung der Organisationsleitung sei gegen ein Zusammengehen nichts einzuwenden. (Das Anhören der Leitung hat nur den Grund, daß oft religiöse Interessen auf dem Spiele stehen, die den meist jugendlichen Leitern von Jugendgruppen nicht klar sein könnten.) Tatsächlich ist die Orthodoxie gegen eine Arbeitsgemeinschaft nur da, wo es sich um religiöse Dinge handelt, und da, wo der Schein erweckt werden könnte, als sei die Judenheil heute eine Einheit mit geringen Schattierungen in ihrer Stellung zum Judentum. Wir wissen auch nicht, wie Herr Fromm es begründen und beweisen will, daß man den nichtgesetzestreuen Teil des Volkes „mit Mitleid, nein, fast mit Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit gegenübcrsteht". Was meint Herr Fromm damit? Doch gewiß nicht, daß man den einzelnen oder der Gesamtheit und ihrer materiellen Lage mit Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit gegenübersteht, denn dann hätte die Klimax „Mitleid, Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit" an sich schon keinen Sinn. Mitleid wäre ja dann das rechte Gefühl, Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit ein Verwerfliches. Sollte er cs aber doch gemeint haben, und sich hier vielleicht ein Druckfehler vorfinden, dann müssen wir fragen: Hat man schon jemals von orthodoxer Seite abseits gestanden, wenn es galt, die Not der Juden irgend eines Landes zu lindern, oder hat man etwa gesagt, unsere Spenden dürfen nur gesetzestreuen Juden

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