Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 10/11 (Oktober-November 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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ii „Wir sind von Gott als Volk unter die Völker geschickt, aber er hat uns nicht geschaffen „wie die anderen Völker der Erde", sondern wir sollen ein „goi kodausch" sein, ein heiliges Volk, ein „mamlcches kauhanim", ein „Reich von Priestern", das ist es immer, was gesetzestreues Judentum fordern muß, daß uns als Volk unsere heilige Bestimmung nicht verloren geht, daß wir unsere Aufgabe nicht vergessen. Aber aus diesem Gedanken heraus sind einem großen Teil der deutschen Orthodoxie zwei verhängnisvolle Jrrtümer erwachsen. Man glaubt, weil wir ein heiliges Volk sein sollen, seien wir überhaupt kein Volk, gelten für uns nicht die normalen Lebensbestimmnngen eines anderen Volkes." Soweit zunächst Herr Fromm, der offenbar hier nicht streng logisch gedacht und die Anschauungen der deutschen gesetzestreuen Judenheit nicht kennt - wir brauchten überhaupt nicht der deutschen gcsetzestrcuen Judenheit zu sagen, jeder gesetzestreue Jude, der die logischen Konsequenzen aus den Prämissen des Herrn Fromm zieht, müßte gleich uns denken. Ein „heiliges" Volk sollen wir sein, ein „Reich von Priestern", das sagt doch nichts anderes, als daß die Voraussetzung für unsere Existenz die ist, daß wir unserer Aufgabe Nachkommen, die uns von unserem Schöpfer gegeben ist, wenn anders wir das Recht haben wollen, weiter zu existieren, als Volk zu existieren. Es ist also das konstitutive Moment für uns als Volk, das Gesetz, in dessen Befolgung, ungeteilter Befolgung, der Schöpfer unseres Volkes den Weg sieht, auf dem wir eine „heilige Nation" werden können. Erkennt also die Nation die Verwirklichung dieses Gesetzes als ihre verbindliche Lebensaufgabe an, schreibt sie dem Gesetz die volkserhaltendc Kraft zu, so hat sic das Recht, sich ein Volk zu nennen. Tut sie es nicht, so ist sie ihrer Mission untreu geworden und muß ns Nation untergehen. Das ist's, was die Orthodoxie betont, wenn sie sich von denen lossagt, die dem Gesetz im nationalen Leben nur die Stellung eines an sich Gleichgültigen zuschreiben, das dem Individuum zur Annahme oder Ablehnung überlassen bleibt. Deshalb wiegt sie sich aber durchaus in keinen unjüdischen Fatalismus ein jeder Fatalismus ist an sich durchaus tmjüdisch — sie sagte sich nie und sagt sich auch heute nicht, „wir können die Hände in den Schoß legen, Gott wird schon für uns tun was das Beste ist", das sieht doch ein jeder, der an die Sorge denkt, mit der die großen Führer aller Zeiten das Schicksal des jüdischen Volkes in der Diaspora verfolgt haben, der sich an die Bemühungen der Schtadlonim für die Judenheit erinnert, und der sich heute nicht absichtlich die Augen verschließt, um nicht zu seheil, wie heute die Führer der deutscheil Orthodoxie zu allen Zeiten aus dem Posten stehen, um für ihre Gläubensbrüdcr, das ist für sie identisch mit Volksgenossen, zu erreichen, was sie als Ree Politiker erreichen können, ohne das konstitutive Moment der Naiion veeiszugeben. Ihr Widerstaild richtet sich nur gegen das Verlassen veS Bodens, aus arm