Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 10/11 (Oktober-November 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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io würdig oder unwürdig erscheinen zu lassen. Dies wird uns von unsren unsterblichen Talmudweisen eingeschärft: „Der Mensch soll immer sowohl die Welt als auch sich selber so beurteilen, als hielten sich in beiden Gut und Bös einander die Wage und glauben, daß es jedesmal nur auf eine einzige Tat von ihm ankommt, um ein Übergewicht auf der einen oder der anderen Seite zu bewirken. Heil dem, der zu einem Überwiegen des Guten in sich selbst und dadurch zugleich des der ganzen Welt beiträgt. Wehe aber dem, der der Schale des Bösen zum Sinke» verhilft; denn die Welt wird je nach Übergewicht des Guten oder des Bösen gerichtet."*) Welch unendlich tiefer Sinn liegt in dieser Forderung an jeden E inzelnen zugunsten der Gesamtmenschheit; sie birgt in sich den ganzen Koder der Ethik aller. Dergestalt war das jüdische Verhältnis zwischen Gesamtheit und Individuum. In dem noch unverfälschten, thoratreuen Judentum des Ostens ist noch ein großer Teil dieses reinen, erdgelösten Verhältnisses vielfach zu beobachten. Wir im Westen dagegen sind in dieser Beziehung nicht ohne Einfluß vom Assimilationsjudentum geblieben. Dies macht sich zu unsrem eignen Schaden in unsrem klägliche,! Verhältnis zu den zwar anders gearteten, aber doch meistens besseren Glaubensbrüdern des Ostens ganz besonders bemerkbar. Aus diese lächerliche und unjüdische Selbstüberhebung immer wieder und wieder hinzudeuten, muß die Pflicht jedes besserdenkendeu Juden sein. — Der Angriff gegen die Orthodoxie in den I. T. V-Blättern. Eine Erwiderung. Herr stud. jur. E. Fromm hat in den I. T. V.-Blättern vom 30. September d. Js. in einem Artikel „Unsere Stellung in der Jüdischen Jugendbewegung" sich auch mit der Orthodoxie befaßt und ihr eine Reihe schwerer Vorwürfe gemacht, die einmal genau unter die Lupe zu nehmen sich doch lohnen dürfte. Neues hat er eigentlich nicht gesagt. Es sind die alten Vorwürfe, die aus dem Munde von ganz abseits von der Orthodoxie Stehenden uns nicht gewundert und kalt gelassen hätten, während es uns ganz unbegreiflich ist, wie ein junger Mann mit der jüdischen Vorbildung und den jüdischen Vorbildern, wie Herr Fromm sie besitzt, diese Vorwürfe adoptieren konnte. Fangen wir der Reihe nach an. *) Kidduschin 40 b.