Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 9 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 begründet. Daß ich beide Organisationen überhaupt nebeneinander nannte, geschah wegen des gleichen Zieles „Jedem sein Land", das beide verfolgen. Gerade der Um st and, daß an zwei verschiedenen Stellen in der Judenheit dasselbe Bedürfnis sich geltend macht, drängt auch der Agudoh-Jugend die Frage auf: welche Stellung zu diesen Kolonisierungsbcstrebungen einnehmend Dieselbe Antwort wird einem anderen Einwand zuteil. Ich habe die Gartenstadtbewegung eine „Vorphase" genannt zu der vom Zionismus erstrebten Schaffung einer rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Und diese Betrachtung war m i r eine objetive. Wogegen Herr Loeb entsetzt Einspruch erhob mit dem Hin weis, eine subjektive Betrachtung würde zeigen, daß „z ionist i s ch e Kreise" der Bewegung ablehnend gegenüber ständen. Dieser Einwand ist künstlich! denn Herr Loeb verwechselt die Vertreter eines Gedankens mit dem Gedanken in seiner Unpersönlichkeit selber. Ich habe nur dargctan, daß für den „objektiven Beobachter", d. h. den, der die Entwickelung des jüdischen Volkskörpcrs von außen her verfolgt, die neue Kolonisierungsbewegung ein dem Zionismus innewohnender Wille (wenn auch nicht einzelnen Zionisten!), nur ein Kind zionistischen Geistes ist! Aber Herrn Loeb ist obige Verwechselung wohlgcmerkt! keinesfalls vorzuwerfen. Mußte er sie doch aus politischen Gründen begehen: niemals darf die Gartenstadtbewegung unter zionistischer Flagge segeln, will sie nicht die starke Gruppe der Antizionisten verlieren. Bedauerlicher ist schon ein anderer Irrtum in der Erwiderung des Herrn L. und daher seine Berichtigung für mich, den Jüngeren, doppelt unerfreulich. „Wenn ein Liberaler von der Zuführung der Inden zur Landwirtschaft ein Aufhören des Antisemitismus erhofft, dann sei für mich erwiesen, daß die Förderer der jüdischen Gartenstadtbewegung ausschließlich an die phhsische Einwirkung auf die jüdische Jugend denken!" Und was habe ich geschrieben? „Während für uns das Leben in und mit der Natur seinen Wert durch die Förderung des Gottesgedankens erhält, denken jene ausschließlich an das an und für sich löbliche Ziel, die Jugend . . . wieder zu kräftigen. Ein Liberaler erhofft s o g a r . . . ein Aushören des Antisemitismus." Die Hoffnungen jenes Liberalen von: Centralverein bilden also nicht die Grundlage für meine Behauptung, sondern sind gerade der Gipfelpunkt einer Auffassung des Naturlebens, die der überlieferungstrcue Jude nicht zu billigen vermag. Ich bleibe dabei: Von einer Stärkung des altjüdischen Gottesgcdankens durch das Leben in der Natur ist bei der Gartenstadt bisher noch nicht die Rede gewesen! Den Gegenbeweis zu bringen, hat Herr Loeb in seiner Erwiderung unterlassen.