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Blätter · 1918-09-01 · 9 (9.1918) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
9 (9.1918)
Date
1918-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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8 Auch hier haben sie nur unser Bestes im Auge — sie glauben es jedenfalls. Bei jeder Brismiloh, bei jeder Barmizwoh, bei jeder Feier lassen sie sich mit Freuden die Wünsche und Hoffnungen erzählen: daß aus dem Kinde ein tüchtiger Mensch und ein guter Jehudi werden möge. Und sie legen sich das in ihrer Weise aus: daß so, wie sie zu tüchtigen Mitgliedern der jüdischen Gesellschaft geworden sind, aus dem Jungen oder Mädel auch ein ganz guter jüdischer Mensch werden kann und werden wird. Ein bissel Tauro und ein bissel Derech Erez wird schon die richtige Kur für das „Kind" sein. Die Eltern wollen, daß der junge Mann oder das junge Mädchen sich erst in erster, zweiter und dritter Linie für seinen Berus vorbereite. Die Ellern wollen auch, daß das Kind lernt. Dazu ist ja die Religionsschule da. Dann kommt noch dreimal wöchentlich ein Lehrer ins Haus; später geht der Junge regelmäßig —- manchmal sogar täglich und das ist dann schon reichlich für den Elternstolz — abends zu seinem dreiviertel-Stunden-Schiur, aber — die stets und ständig wiederkehrende Mahnung: Vergiß über all den Sachen die Hauptsache - deinen zukünftigen Beruf — nicht! Wenn dann das Kind etwa noch zu Versammlungen gehen, oder sich an praktischer Arbeit beteiligen sollte für das, was wir mit Stolz den Klal nennen oder gar, man höre und schaudere vor dem Furchtbaren, sich bis 11 Uhr nachts (unerhört!) selbständig zu einem Schiur oder Kurs vorbereitet, dann hat es selbst das grausenerregeude, aber verdiente Urteil über seine „Vereinssachen" gefällt. Der Konflikt ist da. Und er war schon oft da! Er ist nicht nur entstanden durch das — scheinbare — Nicht- Verstehcnwollen der Eltern,. auch die Jugend trägt ihren herzlich schweren Schuldanteil daran. Denn wir sind — oder vielmehr wollen es werden — Juden. Wer sich aber zu einem Jehudi erziehen will, weiß — oder müßte es wissen ---, daß „Kabed es owicho wees imecho" eine „Mizwas affe min hatauroh" ist. Wer sich zu einem Jehudi erziehen will, weiß, daß das Judentum noch Autoritäten kennt, an die sich der junge Mensch in seinem Zweifel wenden kann. Und diese Autoritäten werden ihn wieder auf „Kibbud aw woem" verweisen. Nicht, als ob er nun blindlings sein heißgeliebtes Agudo-Jdeal lassen sollte. Aber er soll auch nicht - wie es eigentlich das Vorrecht der Jugend ist — mit dem Kopf durch die Wand rennen wollen, soll nicht ohne oder gar trotz Vater und Mutter nun doch seinen Willen durchsetzen. Unsere Eltern verstehen uns ja nur deshalb nicht, weil wir uns nie ernstlich die Mühe gemacht, sie dem Verständnis für unsere Ideale näher zu bringen. Wappnen wir uns doch in unfern ganzen Enthusiasmus und machen wir einmal bei

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