Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 9 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Wir wollen in Agudo-Versammlungen gehen, um mitzuarbeiten an der Festigkeit eines Gliedes, damit die Kette nicht reiße! Wir wollen zu Agudo-Ausflügen gehen, um gemeinsam mit den Brüdern in großer, blutsverwandter Familie uns zu freuen, um Brüder kennen zu lernen, um uns a l s Brüder kennen zu lernen! Wir wollen Agudo-Vorträge und Kurse besuchen, um uns belehren zu lassen über die Geschichte unseres Werdens, über die Zustände unseres Seins, über die Aufgaben unserer Zukunft! Wir wollen Agudo-Sammlungen veranstalten für die dunklen Zustände unseres Seins, für die leuchtenden Aufgaben unserer Zukunft! Und — wir wollen lernen, lernen und wieder lernen; lernen, um uns würdig zu zeigen unserer Vergangenheit, lernen, um uns stark zu machen in unserer Gegenwart, lernen, um' uns heranreifen zu lassen zu u n s e r e r Zukunft. Denn unsere Zukunft wird sie sein, die Zeit, in der durch unser Lernen die geistigen Bande neu geknüpft sein werden zu einem neuen, unauflöslichen Klal Jisroel. Das ist unser, der Jungen, Wollen und für diese Ziele müssen, wollen und werden wir uns einsetzen mit der ganzen, unverbrauchten Kraft unserer jungen Persönlichkeit. Und dieser Einsatz des ganzen Menschen ist nötig! Denn auf Schritt und Tritt wachsen uns auf unserem Wege Hindernisse entgegen, die zu überwinden wir noch nicht gelernt haben. Wo sind sie denn aber, die uns lehren sollen, freudig all' diese Hemmungen zu überwinden, die uns zur Seite stehen sollen, wenn wir unsicheren Fußes die ersten Schritte wagen auf der großen Straße unserer Zukunft, wo sind unsere Eltern? Vielleicht finden wir sie auf dem gleichen Wege. Sie sind uns wohl gar vorangeeilt, um unsere steil nach oben strebende Bahn zu glätten, um die Steine fortzuräumen, um an der ersten gefährlichen Biegung uns sorgend zu führen. Ja — wir finden sie auf dem Wege. Aber nicht, wie wir noch gehofft: danach bangend, ob wir wohl aus eigenem Sehnen, aus eigener Kraft den rechten Weg zur Höhe finden würden — nein, und das ist noch das Günstigste, stumm stehen sie zu Seiten des Weges, gleichmütig zuschauend, wie ihre Kinder mit junger, schwacher Kraft sich emporquälen; wenn sie nicht gar, wie das oft genug der Fall ist, schwer und stark unserer emporstrebenden Bahn entgegenstehen als erstes, größtes Hindernis. Was führt unsere Eltern zu dieser Stellung? Unsere Eltern, deren warmen Liebeshauch wir im erwachenden Bewußtsein ver zeichnet, die uns teuer waren vom ersten mühsamen Lallen an, die unser ganzes, werdendes Leben hindurch jeden Schritt mit sorgender Liebe geleiteten, trennen sich jetzt von uns, wo wir ihre Kräfte am nötigsten haben. f Stadtb*ol- i I’rs'sVC-