Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 7 (7.1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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— 16 — muß. Und dies ist seine ihm zuteil gewordene Volksausgabe, die Thauroh. Wenn ich der Betonung des nationalen Gedankens diese Einschränkung setzen möchte, so geschieht es nicht aus der Eifersucht gegen den nationalen Gedanken. Ich betrachte ja den nationalen Gedanken in dem Gedankenkomplex der Thauroh für gegeben, also nicht als etwas derselben Wesensfremdes, gegen das eine solche Eifersucht begründet wäre. Diese Schranken sind aber nötig, um die Thora vor dem Nationalismus zu schützen. Denn erheben Sie den nationalen Gedanken zum Selbstzweck, oder auch nur als einen der Thora gleichberechtigten Faktor, so ist er nicht ohne Gefahren für sie. Es kann aus einer Nebeneinandersetzung der beiden Faktoren sich eine Gegensätzlichkeit herausbilden, die nicht ohne Gefahr für die ureigene jüdische Aufgäbe ist. Was wir erstreben müssen, ist in gewissem Sinne das Gegenteil dessen, was der reine Nationalismus fordert. Wenn er verlangt, daß das Nationale das überragende bleiben müsse, dem sich alle sonstigen Bestrebungen innerhalb des Judentums, also auch die Religion unterzuordncn habe, so müssen wir fordern: Erst kommt die ureigene Aufgabe des jüdischen Volkes, die Thora. Ihr hat sich Alles, auch das nationale Moment zu unterorönen. So ergibt sich denn die Beantwortung unserer Grundfrage von selbst. Das nationale Moment braucht nicht in den Hintergrund zu treten. Es kann und soll mehr betont werden als es bisher der Fall gewesen ist. Aber so gewiß cs ist, daß wir ein Volk, eine Nation sind, so dürfen wir keinen Moment außer acht lassen, daß wir als Volk uns erhalten haben einzig und allein durch die geistige Aufgabe, die am Sinai uns geworden ist. Eine weitere Frage ist es nun, wenn wir eben gesagt haben, daß auch von Seilen der A.J. das Nationale mehr betont werden soll, welches ist der positive Inhalt, dem wir diese Betonung geben, wie soll sie sich praktisch äußern? In erster Reihe, wie stellt sie sich zur Erez-Iisroel-Frage? M. E. gehört zur ״Lösung der Gesamtfragen der Judenheit im Geiste der Thora" auch jener Komplex von Fragen und Problemen, die Erez Jisroel betroffen. Dem tut keinen Eintrag die Tatsache, daß die Agudas Jisroel die Palästinafrage nicht unter dem Gesichtspunkte der hohen Politik ansieht, sondern auf dem Gebiete der Real- Politik bleiben will, um, wenn die Wolken des Weltkrieges sich verzogen haben, auf realer Basis aufzubauen. Ein bestimmtes Programm der kommenden Palästinatätigkeit jetzt aufzustellen, ist bei den labilen politischen Verhältnissen unmöglich und vom realpolitischen Standpunkte kaum empfehlenswert. An Interesse und an Liebe für den geheiligten Boden von Erez Jisroel, an dem guten Willen, für dessen Wiedergeburt alles Mögliche zu tun, wird sich die Agudas Jisroel von keiner anderen Organisation übertreffen lassen,