Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 7 (7.1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 der Spitze dieser Mittel muß eben das geistige Palladium stehen, das das jüdische Volk bei seiner Volkswerdung mit auf seinen Lebensweg bekommen und das in der Vergangenheit sich so wirksam erwiesen hat. Es ist dies die Aufgabe, die wir schlechthin als die religiöse bezeichnen. Eine Aufgabe, die wir nicht mit dem feiertäglichen Rock ausziehen und fein sauber in den Schrank hängen, um ihn in besonderen, gehobenen Momenten wieder hervorzuholen, eine Aufgabe vielmehr, die uns überallhin folgt, die uns nicht verläßt und die in allen Äußerungen des me,!schlichen Lebens berücksichtigt werden Will. Wo wir auch hingehen, was wir auch unternehmen, sie ist uns treue Begleiterin, um uns zu schützen, uni uns Vor einem Schicksal zu bewahren, dem wir, wie andere, viel mächtigere Völker unweigerlich verfallen wären. Es ergibt sich aus all dem klar und deutlich, daß wir an die erste Stelle unserer Bestrebungen, die auf die Erhaltung des jüdischen Volkes gerichtet sind, das geistige Moment, oder um deutlicher zu sein, die Thora setzen müssen. ״Ki heim chajenu weaurech jomeinu" ist heute genau so richtig, wie zur Zeit, da die alten Meister dieses wuchtige Wort geprägt haben. Die Thauroh ist Voraussetzung aller unserer Bestrebungen für die Gesamtjudenheit. Und zwar einmal als Selbstzweck, weil sie die Offenbarung Gottes an die Welt durch Israel ist, dem sie in erster Reihe als Erziehungsmittel gegeben wurde. Sodann aber in ihrer eminenten Bedeutung für den Weiterbestand unseres Volkstums. Hier bauen wir auf festen Grund. Hier steht uns die mchrtausendjährigo Erfahrung zur Seite. Wir kommen nun zur Betrachtung der Frage, inwieweit die A.J. auch der Betonung des nationalen Gedankens Raum geben soll. . Ich möchte nochmals unterstreichen, es handelt sich um die Betonung des nationalen Moments. Denn an ihrer Betätigung des Nationalen besteht doch kein Zweifel. Die Frage ist nun, inwieweit die Betonung des nationalen Moments gehen kann, ohne die Grundlagen der Agudobestrebungen zu erschüttern. Welche Stellung soll dem nationalen Gedanken neben der selbstverständlichen Betonung des Thauroh-Gedankens eingeräumt werden? Wir haben hier die Nationalidee vom Standpunkte der A.J. zu betrachten, um von dieser Warte aus ein Bild zu gewinnen über die Stellung, die der Nationalidee eingeräumt werden soll. Wenn ich Ihnen hierüber meine Meinung sagen soll, so geht sie dahin, daß das nationale Gefühl im Rahmen der Agudo gepflegt und betont werden soll, aber mit der Einschränkung, daß der nationale Gedanke dem Hauptprogramm der Agudo untergeordnet werden soll. Um mich präziser auszudrücken, das Nationale soll dem Religiösen nicht coordiniert, sondern subordiniert sein. Dies will heißen, daß der ״Nationalismus", was man schlechthin so bezeichnet, sich an dem nationalsten Merknml des jüdischen Volkes orientieren