Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 7 (7.1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Bi 16 Wenn auch die von ihr einzuschlagenden Wege naturgemäß andere sein müssen, als die anderer Organisationen. Es bleibt nunmehr noch die Frage, welchen Standpunkt wird die A.J. bei Behandlung der jüdischen Angelegenheiten in der Diaspora einnehmen. In erster Reihe Wohl, wie wird sie sich bei der Regelung der Ostjudenfrage zur Nationalfrage stellen? Es ist Wohl anzunehmen, daß sie sich nicht auf den Standpunkt der rein theoretischen Nationalidee stellen wird. Sie wird vielmehr die Frage vom Gesichtspunkte der Zweckmäßigkeit behandeln. Man wird an Rechten religiöser und kultureller Natur so viel zu erreichen suchen, als möglich ist, womit auch dem Nationalgedanken am besten gedient ist. Wenn hierbei die Forderung nach nationalen Gruppenrechten nicht in erster Reihe steht, so geschieht es nicht aus Gleichgültigkeit gegen die nationale Idee. Es ist vielmehr hierbei maßgebend der Wille, das möglichst Erreichbare durchzusetzen. Anders ist es in jenen Ländern des Ostens, wo, wie in der Ukraine und in Litauen, die Erlangung einer nationalen Autonomie weniger auf den Widerstand der Bevölkerung stoßen wird. Dort wird man gewiß auch von unserer Seite dieses Ziel zu fördern suchen. Es darf daher die Hoffnung ausgesprochen werden, daß es in diesen praktischen Fragen der Agudas Jisroel Wohl möglich sein wird, mitzuarbeiten an dem Wiederaufbau der Trümmer, die der unglückselige Krieg dort im finsteren Zarenlande angerichtet hat, der Trümmer besonders, die auf geistig-religiösem Gebiet dort entstanden. Es ist ein gewaltiges Arbeitsgebiet, das sich gerade einer Vereinigung wie der Agudas Jisroel dort darbictet. Denn nicht bloß die zerstörten und zerfallenen Lehrstätten sind wieder aufzurichten. Eine noch größere Arbeit wird es erheischen, die thoratreuen Massen, die auf einmal vom jahrhundertelangen Drucke erlöst und frcigeworden sind, der Thoratreue zu erhalten. Sie davor zu bewahren, daß nicht eine schwere geistig-religiöse Katastrophe über sie komme, wie sie infolge der Emanzipation über Westeuropa gekommen und unter der Jüdischkeit verherend gewirkt hat. Diese Massen thoratrcu zu erhalten, ist gleichfalls eine Aufgäbe, die als national im besten Sinne des Wortes zu bezeichnen ist. Sie sehen daher, daß auch auf die A.J. nationale Arbeit im besten Sinne des Wortes wartet, und zwar auf allen Gebieten ihrer Tätigkeit. Ihr ganzes Programm, die einzelnen Länder der Diaspora, wie auch Palästina betreffend, ist national. Warum sie hierbei den Nationalismus nicht in den Vordergrund stellt, ich suchte es Ihnen in Kürze zu sagen. Wirtrennen nicht ״ammeich ammi weelaukajich elaukai" voneinander. Auch wir wollen den Nationalgedanken in uns wachhalten. Worauf wir aber unweigerlich be stehen dürfen, ist die Parole: ״ammeich" ist nur dann ״ammi", wenn ״elaukajich elaukai" ist. Nur wenn wir der nationalen Idee die jüdische Lebensaufgabe, wie sie am Sinai dem jüdischen Volke ge-