Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1918-07-01 · 7 (7.1918) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
7 (7.1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/6467833-8970266-8970277--0594-6467960
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

13 einer Zeit der Kräfteanspannung ist dies immer der Fall gewesen, da setzte in der Regel der Verfall ein und ganze Völker tauchten in solchen Zeiten des Niedergangs in das Meer der Vergangenheit unter, um nicht wieder zum Vorschein zu kommen. Anders aber Israel. Vielleicht hat es — und dies ist ja darin begründet, daß wir numerisch das ״meat mikkol hoammin" sind, - weniger äußere Glanzperioden in seiner Geschichte auszuweisen. Aber und ich denke dabei vorzüglich an die Zeit, da es die äußerlichen Merkmale des Volkstums, Land und Sprache, bereits cingebüßt hatte - sehen wir uns seine Geschichte näher an, äußerlich mag sie wenig ansprechend sein, es ist aber ein dauerndes Heroen tum, dem kein Volk der Erde ein Gleiches zur Seite setzen kann. Es sei dies nicht deshalb betont, um irgendwie in Ihnen ein stolzes Gefühl, oder gar ein Gefühl der Überhebung wachzurufen, obgleich uns eine kleine Dosis von edlem Stolze sehr vonnöten wäre. Ich unterstreiche dieses Moment nur deshalb, uni damit zu sagen, daß wir an unserer Zukunft nicht zu verzweifeln brauchen. Wir haben der traurigen Zeiten genüg durchgemacht und stehen noch immer als das Volk da, das bestimmt ist, die Zeiten zu überdauern. Und wir werden auch weiter dastehen, wenn wir an dem festhalten, was unseren Bestand als Volk oder wenn Sie wollen, als Nation durch Jahrlausende gewährleistet hat, und dies ist die geistige Aufgabe Jsraels in seiner Thora. Wenn das jüdische Volk als ein Volk von ureigenem Gepräge bezeichnet werden kann, so besteht m. E. die Unterschiedlichkeit Jsraels von den übrigen Völkern in eine bestimmte These gebracht darin: Während bei den anderen Völkern materielle Merkmale cs gewesen sind, die das Volk in seiner Kultur und in seiner geistigen Gestaltung erhalten, so hat bei Israel sein geistiger Inhalt volkserhaltend gewirkt. Dort ist es die Materie, die materielle Kraft gewesen, die den Geist erhalten, hier hat der Geist der Materie, dem Volkskörper, die Dauer, die Unvergänglichkeit gegeben. Die Richtigkeit dieser Feststellung vorausgesetzt - und es dürfte sich kaum eine plausiblere Erklärung für das Phänomen der Erhaltung des jüdischen Volkes in der Geschichte finden — ergibt sich aus ihr auch die Richtschnur für den ferneren Lebensweg dieses sonderbarsten aller Völker. Es ergibt sich daraus, daß, wie die Geschichte dieses Volkes sich von derjenigen der übrigen Völker deutlich abhebt, so auch die Wege, die es einschlagen muß, um sich auch fernerhin erhalten zu können, nicht immer dieselben sein müssen, die jene gehen. Dannt soll nicht gesagt werden, daß man die von den anderen Völkern angewandten und vielfach erprobten Mittel zur Erhaltung des Volkstums etwa perhorreszieren sollte. Mit Nichten. Es soll nur darauf hingewiesen werden, daß wir uns nicht auf sie deschränken, ja sie auch nicht in den Vordergrund rücken dürfen. An

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.