Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 7 (7.1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Wörter pflegen sich in der Regel nicht mit dem zu decken, was sieausdrücken wollen. Wenn man unter ״national" versteht, daß sich ein Volk sein Dasein nur nach dem Vorbilde der übrigen Nationen formen uni» einrichten müsse, dann allerdings sind wir bislang Wenig national gewesen. Wenn unsere Väter in vergangener Zeit daran gingen, sich in diesem Sinne national zu orientieren, da hatten sie gerade das Verkehrte gewählt. Wenn sie sprachen: wir wollen einen König über uns, uns zu richten wie alle Völker, da mußte Samuel schweren Herzens erkennen, daß sie ihre ureigene Nationalaufgabe vergessen oder mißverstanden haben. ״Nicht Dich haben sie verworfen, sondern mich." Sie hatteü damit ihre Ausgabe, den Thoragedanken im eigenen Kreise so tief zu verankern, daß sie dann fähig seien, ihn in. die große Welt hinauszutragen, wenn nicht ausgegeben undvon sich gewiesen, so doch in den Hintergrund rücken wollen. Denn ״malchusso dealmo" und ״malchusso derokla" vertragen sich nicht langem nebeneinander, ohne einander ins Gehege zu kommen und menschliche Unzulänglichkeit fügte cs imnier, daß die irdische Obrigkeit obsiegt. Die Kriterien des nationalen Begriffes, wie sie bei den Völker» der Erde erfahrungsgemäß Vorlagen, sie mangeln dem jüdischen Volke. Das eigene Territorium, das Verbundenscin durch Zusammenwohnen auf zusammenhängendem Gebiete und die gemeinsame Sprache, die dem Volke eigen ist, werden in der Regel als die staatbildenden und volkserhaltenden Merkmale angesehen. Dazu ist zweierlei zu bemerken. Erstens haben auch diese Merkmale nichl immer die ihnen zugedachte Wirkung gehabt. Völker mit einer einheitlichen Sprache und entwickelter Kultur, auf eigenem Boden sitzend, sind zerfallen und mußten anderen Staatenbildungen den Platz räumen. Andererseits hat sich das Judentum oder das jüd. Volk trotz Ermangelung dieser allerdings wichtigen Kriterien erhalten und zwar durch eine Kraft, die außerhalb dieser beiden Momente liegt. Es braucht hier nicht des Näheren auseinandergesetzt zu werden, welches Moment es ist, das sich in einem Maße volkserhaltend erwiesen hat, daß es geradezu als ein Wunder bezeichnet werden muß. Es ist einzig und allein die Gotteslehre, die dem jüdischen Volke eine beinahe übernatürliche Kraft verliehen hat. Wenn wir die Annalen der jüdischen Geschichte aufschlagen, so zeigt es sich, daß jede Periode ein höchstes 'Maß von Selbstaufopferung, Sclbstüber- Windung und restloser Hingabe gefordert hat, und wieder ist es die Thora gewesen, die ihnen die Kraft hierzu gegeben. Um sich als Nation behaupten zu können, um sich vor dem Untergang als selbstständiges Volk zu bewahren, haben auch andere Völker gekämpft, haben auch sie Heroenzeiten in ihrer Geschichte aufzuweisen. Eine solche Heroenzeit ist aber wie eine feiertägliche Stimmung gewesen, die nicht lange vorhielt. Waren die Kräfte verbraucht, und nach