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Blätter · 1918-07-01 · 7 (7.1918) · p. Seite 9

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Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
7 (7.1918)
Date
1918-07-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 Abfall unter einer besonderen Fahne zu scharen, wie z. B. die Sadducäer und Karäer, so war auch dieses gemeinsame Merkmal des Abfalls nicht stark genug, um sie im Rahmen des Judentums zu erhallen. Sie fielen, so weit sie sich nicht in das eigentliche, hiftorische Judentum zurückfanden, der vollständigen Verkümmerung und Auflösung anheim. In jener Zeit, als noch die Thora der ״melech bijschurun" gewesen ist, bedurfte es keiner Zusammenfassung der thoratreucn Kreise zum Schutze der Thora. Die Thora als Nationalgesetz ward getragen durch die Gesamtheit des jüdischen! Volkes und ward durch es erhalten. Da bedurfte es keiner Agudo zur Zusammenfassung aller, die noch zur alten Fahne geschworen. Da War noch ganz Israel mit Wenigen Ausnahmen eine Agudas Israel in wahrem Sinne des Wortes. Es kam aber eine Zeit, in Welcher diese Einheitlichkeit in der Ausfassung der jüdischen Lebensaufgabe aufhörte und in die geschlossene, einheitliche Judenheit eine tiefe Bresche schlug. Es ist nicht besonders nötig, aus die Momente hinzuweisen, die diese Wandlung herbeigesührt haben. Aufklärung, sich über alle Überlieferung klüger dünkender Zeitgeist, das Fallen der Ghettomauern und nicht zuletzt die von den früheren völlig verschieden sich gestaltenden sozialen Verhältnisse, sie alle haben ihren Anteil an der Katastrophe, die über das geschichtliche Judentum hcreinbrach. Sie alle haben gemeinsam an dem alten, stolzen Bau gerüttelt und haben ihm in relativ kurzer Zeit niehr Schaden zugcfügt, als es das 2000 jährige Martyrium tun konnte. Es hat lange, man kann sagen, zu lange gewährt, bis man sich in den thoratreucn Kreisen besann, der religiösen Anarchie entgegenzutreten. Man war zu sehr entsetzt über die Leichtigkeit, mit welcher weite Kreise der Judenheit dem Lebensnerv des Judentums, seiner Gotteslchre, den Rücken gekehrt haben, um sogleich die richtigen Wege zu finden, auf welchem man diesem größten Unglück, das das jüdische Volk je betroffen hat, hätte begegnen können. Es lag nun im Geiste der Zeit, daß man zum Mittel der Organisation griff, um der weiteren Auflösung des thoratreuen Judentums entgegenzuwirken. Die Organisation der zersplitterten Einzelkräfte, ihre Zusammenfassung in Vereinigungen bewährte fich auf allen Gebieten wissenschaftlicher und sozialer Art, und auch die Zusammenschließung all derer, denen die Erhaltung des Judentums aus dem Herzen lag, konnte auch nur Ersprießliches im Gefolge haben. So sind in neuerer Zeit auch innerhalb der thoratreuen Judenheit Organisationen entstanden, die dazu berufen waren, ihre Interoffen wahrzunehme». Diese Organisationen beschränkten sich aber aus bestimmte Gebiete und reichten in der Regel nicht über die Grenzen des Landes hinaus, in welchem sie entstanden sind. Und Wie würde doch gerade die Judenheit infolge ihrer Zerstreutheit ein Forum benötigen, das über die Grenzen der einzelnen Länder

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