Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 7 (7.1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 nein, gerade für diejenigen, die schon praktisch auf unserem Stand- Punkt stehen, haben wir ihn nötig. Die Propaganda nach außen hat für uns nur wenig Zweck; viel wichtiger ist die Propaganda nach innen, und diese Propaganda soll der ״Esra" freilich aufnehmen. Vielleicht kann man den Beweis für die Notwendigkeit unseres ״Esra" mit dem Beweise für die Daseinsberechtigung unscrer A.J.J.O., die ja oft bestritten wird, verbinden. Wie oft sagt man uns: ״Die Agndohv setzt ja keinen neuen Gedanken in die Welt, sie will nicht irgend ein neuartiges Programm verwirklichen, folglich will sie nur Organisation sein, vielleicht auch einzig und allein, um des Kampfes Wider andere Organisationen willen." In dieser Behauptung liegt viel Unwahres und nur wenig Wahres. Wir sind keine Partei innerhalb der Gesamtjudenheit, sondern wir pflegen unverändert und unverfälscht das alte Judentum, das wir von unseren Vätern ererbt haben. Das ist auch der Grund, warum wir mit neuen Thesen nicht vor die Welt treten können und brauchen. Aber, unter den Völkern zerstreut, hat oft der orthodoxe Jude des einen Landes den Zusammenhang mit seinen Brüdern in anderen Ländern verloren. Die Entfremdung ging so weit, daß der Westjude vom Ostjuden sich kaum eine richtige Vorstellung machen konnte, ja daß der deutsche Jude sich oft dem deutschen Christen näher verwandt fühlte, als zum Beispiel dem polnischen Juden. Hierin mußte Wandel geschaffen werden, sollte nicht Zersplittcrung dem Judentume die größten Gefahren bringen, die gesetzestreue Judenheit zum Gespötte der anderen werden lassen. Alles, was sich zu dem Thorabanner bekannte, mußte wieder eins werden, mußte sich eins fühlen. Aus diesen Motiven entstand ״Agudas Jisrocl". Aus ähnlichen Gründen brauchen wir auch den ״Esra". Er soll keine Kampforganisation werden; wir lassen die andern ihre Wege gehen, wollen aber an uns unablässig arbeiten, so daß jeder einzelne unserem Agudo-Jdeal möglichst nahe kommt. - Die Jugend, insbesondere die Schuljugend ist von tausend Gefahren umlauert; umringt von Nichtjuden und nichtreligiösen Juden, wird es den Kindern schwer gemacht, der Thauroh die Treue zu bewahren. Die Einsicht fehlt noch, und da es leichter ist einzureißen als aufzubauen, hat der nichtreligiöse oder nichtjüdische Gefährte leider nur zu oft Erfolg, und manches schwache Mädchen läßt sich zu Handlungen Hinreißen, die mit den Vorschriften der Thauroh im Widerspruch stehen, die sie auch wohl oft in reiferen Jahren nicht mit ihrer Überzeugung Vereinen können, die sie aber jetzt nicht die Kraft und den Mut finden, ihrem Standpunkt entsprechend zurückzuweisen. — Kurz, aus unseren gesehestreuen Kreisen gehen unzählige Kräfte schon als Kinder aus Mangel an Belehrung und Unterstützung der Tanroh verloren. E i n Mittel gibt es nur dagegen, und dieses Mittel soll unser ״Esra" werden. Wir müssen die Jugend möglichst ״einjüdischen", das heißt, wir müssen ihr wieder ein jüdisches Milieu schaffen, in der sie ganz von selbst lernt, alle