Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 6 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- 10 wird, daß neben Vereinshaus und Sportplatz auch eine Synagoge errichtet werden soll, ist nicht erfindlich. Selbstverständlich steht in dem Aufruf die Synagoge voran. Sie wird auch noch durch die bei der Zitierung wegcgelasscne Schule von dem Vereinshaus und Sportplatz getrennt. Dafür erhellt dies Zitat umsomehr die Tatsache, daß unser Autor seine ganze Weisheit aus einem Flugblatte schöpft, von dem die jüdische Tagespreise gelegentlich Kenntnis gab. Hätte unser Autor, bevor er zu dieser ״brennenden" Frage Stellung nahm, es der Mühe wert gehalten, sich einmal unsere Statuten cinzufordern oder unserer Versammlung beizuwohnen, so hätte er erfahren, daß die religiösen Fragen, soweit sie für uns in Betracht kommen, von Anfang an besprochen und entschieden worden sind. In § 2 unserer Satzung heißt es ausdrücklich: ״Die Veranstaltungen und Einrichtungen der Genossenschaft dürfen den Vorschriften des überlieferten Judentums nicht widersprechen." Damit im Einklang bestimmt ein weiterer Abschnitt, daß Austritt aus dem Judentum, Mischehe und Kindestaufe den Ausschluß aus der Genossenschaft zur Folge haben. Hiermit dürfte alles geschehen sein, was im Rahmen der Satzung geschehen kann. Die vorstehenden Zeilen sind nicht geschrieben, um eine Unterstützung der Gartenstadtidec aus den Streifen der Agudoh zu be wirken, aber sie sollen unsere Jugend davor bewahren, daß sie von der jüdischen Gartenstadt nur jenes Zerrbild kennen lernen, das mangelnde Orientierung und vorschnelles Urteil entworfen haben. Wegen Raummangels mutz die Erwiderung des Herrn Merzbach zurückgcstellt werden. Aus unseren Gruppen. Fulda: Die erste größere Veranstaltung, mit der unsere Jugendgruppe vor die Öffentlichkeit trat, war eine Purimfeier. Sie sollte dem Zweck dienen, möglichst viel Mittel für die Schaffung eines jüdischen Soldatenheims in Fulda zusammenzubringen. Das von etwa 500 Gästen besuchte Fest nahm einen glänzenden Verlauf, und konnten wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein. Der Abend wurde durch einen wirkungsvoll vorgetragenen hebräischen Prolog eingcleitet. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Vorführung der Haydn'schcn Kindersymphonie. Die in prächtige Nokokokostüme gekleideten Mitwirkcnden boten dem Auge und Ohr einen geradezu künstlerischen Genuß. Unter den vielen, vorzüglich gelungenen Darbietungen löste ein von Herrn Lehrer Spiro verfaßtes lokales Stück: ״Im Lande, wo Milch und Butter fließt", das die wahrheitsgemäße Schilderung einer Verkaufsszeue von Butter und Milch zum Inhalt hatte, einen großen Heiterkeitserfolg aus. Herzlichen Dank zollen wir den zahlreich erschienen Gästen aus den umliegenden Ortschaften, den mitwirkenden Darstellern, sowie den Damen und Herren, die sich um das Gelingen des Festes besonders bemüht haben.