Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 6 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Cöln, den 15. April 1918. Wieder stehen wir am Ende eines Vereinsjahres, eines Jahres intensiver Arbeit und schöner Erfolge. Wiewohl es uns durch die Schwierigkeiten, die der Krieg in jeder Beziehung mit sich bringt, nur sehr schwer möglich war, unser Programm in der alten Ausdehnung fortzuführen, ist es uns doch gelungen, wenigstens die Zahl unserer Schiurim beizubehalten. Ja noch darüber hinaus konnten wir für unsere Damen vier neue Kurse einrichten, die sich eines sehr guten Besuches erfreut haben. Behandelt wurden hierin: .Tcfilloh, Chumesch, Dinim und jüdische Geschichte, und wir sagen nochmals auch an dieser Stelle den Dozenten, die trotz ihrer Arbeitsüberlastung uns gerne ihre Zeit zur Verfügung stellten, unseren besten Dank. Ohne auch nur die geringste Propaganda nach außen hin zu treiben, wozu es uns an den nötigen Hilfskräften und Hilfsmitteln fehlte, haben wir dennoch eine große Anzahl — ca. 70 — neue Mitglieder bekommen, was umso höher zu bewerten ist, als wir nur solche Leute in unseren Verein aufnehmen, die in jeder Bezichung auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums stehen. Unser Hauptaugenmerk richteten wir nach wie vor auf die Pflege der Verbindung mit unseren Brüdern im Felde. Wie schon seit Beginn des Krieges, war es auch im Berichtsjahr unsere größte Sorge, den Leuten, denen daran liegt, auch draußen unter schwiertgsten Verhältnissen den Geboten der Tauroh nachzukommen, bei dieser Riesenaufgabe behülflich zu sein. Unser Feldpostversand nimmt immer größeren Umfang an, sodaß wir im letzten Geschäftsjahre, dank den großen Spenden edler Gönner ca. 20 000 M für diesen Zweck verausgaben konnten. Aber wir glaubten, daß es nicht allein damit genug sei, für das körperliche Wohl unserer Soldaten Sorge zu tragen. Wir sagten uns vielmehr, daß auch die geistige Not eine große, manchmal noch schlimmere ist, als die körperliche. Wir schicken daher seit Jahresfrist allwöchentlich Schabbosbriefe ins Feld, die stets eine Erklärung nach Malbin oder Ramban über die laufende Sidrc bringen. Aus der allgemeinen Beliebtheit, deren sich diese Briefe erfreuen, ersehen wir zu unserer Genugtuung, daß auch diese Einrichtung bei unseren Soldaten einen großen Anklang gefunden hat. Das Zusammengehörigkeitsgefühl, die Pflege der Geselligkeit, die im Kriege so sehr gelitten hatte, suchten wir wieder neu zu beleben. Wir veranstalteten am Chamischo Ossor bischwat eine Feier, die sehr gut besucht war und großen Anklang gefunden hat. Das einmal Begonnene wollen wir nun auch weiter ausbauen und fortsetzen, und zwar im kommenden Sommerscmester durch gemeinschaftliche Ausflüge. Hoffentlich versetzt uns das baldige Kriegsende in die glückliche Lage, allen unseren Aufgaben wieder mit intensiver Kraft nachgehen zu können, hoffentlich bringt uns der baldige Scholaum unsere Brüder aus dem Felde wieder in die Heimat, die uns helfen an der Arbeit zu unserem Ziele: L'hagdil tauroh ulehaadiroh.