Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 6 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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muß man sich der Gartenstadtbewegung schleunigst anschließen? Weit gefehlt! Unser jugendlicher Autor glaubt, ״diese Frage ver- »einen zu müssen". Denn, meint er: ״Während für uns das Leben in und mit der Natur seinen Wert durch die Förderung des Gottesgedankens erhält, denken jene ausschließlich an das an und für sich löbliche Ziel, die Jugend, die durch Ghetto und Großstadt körperlich verkümmert ist, wieder zu kräftigen, damit sie ihren nichtjüdischen Kameraden nicht nachstehe. Ein Liberaler erhofft sogar von der Zuführung der Juden zur Natur und zu den landwirtschaftlichen Berufszweigen ein Aufhören des Antisemitismus. (Im deutschen Reich Jahrg. 1918 Nr. 1.) Mehr will er garnicht erreichen. Von religiösen oder ethischen Gesichtspunkten ist dabei nicht die Rede." Also wenn in der Zeitschrift deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens irgend ein Liberaler von der Zuführung der Juden zur Landwirtschaft ein Aufhören des Antisemitismus erhofft, dann ist damit erwiesen, daß die Förderer der jüdischen Gartenstadtbewegung ausschließlich an die physische Einwirkung auf die jüdische Jugend denken! Es ist Wohl unnötig, einer Beweisführung von solch' zwingender Logik noch ein Wort der Kritik hinzuzufügen. Nun gelangt unser Artikel zur Beantwortung der zweiten Frage: ״Was die zweite Absicht der Gartenstadtbewegung, die Schafsung eines jüdischen Milieus, betrifft, so ist auch dies vom Standpunkt des Gesetzes nur zu begrüßen." Auch hier zunächst eine Schilderung der Vorzüge des Lebens in einer jüdischen Umwelt, ״aber" heißt es hier weiter ״bei genauerer Betrachtung scheint uns das ״jüdische" Milieu in der neuen Kolonie nicht im mindesten gewährleistet." Man sieht, die ״genauere" Betrachtung kann die Gartenstadtidee so wenig vertragen wie die ״objektive", sie führen beide zur Verneinung. Freilich hatte der verehrte Autor auch etwas mehr von uns erwartet. Er klagt: ״Statt striktester Erfüllung des Schabbos-Gesetzes an der Spitze sämtlicher Gebote wird uns ״Sabbathstimmung und Festtagsweihe" versprochen! Leider wird uns nicht gesagt, wie die Leitung einer solchen Siedlung es möglich machen soll, von ihren Siedlern ״strikteste Erfüllung des Schabbos-Gesetzes an der Spitze sämtlicher Gebote" zu erzwingen, aber vielleicht holt der Autor das gelegentlich nach. Bei einer solchen Sinncsrichtung der Initiatoren der jüdischen Gartenstadt, nimmt es den Autor nicht weiter Wunder, daß sie schlecht genug sind, ״neben Sportplatz und Vereinshaus sogar eine Synagoge errichten״ zu wollen. Ob das Unrecht darin besteht, daß außer der Synagoge auch ein jüdisches Vereinshaus und ein Sportplatz geplant wird oder ob umgekehrt das Vergehen darin gefunden