Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 6 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 angeht, die Tendenzhaftigkeit oder das mangelnde Verständnis für die Quellen, die auf der anderen Seite herrschen, aufdecken. Wenn er das für eine größere Periode, die er vorträgt, ein halbes Jahr, längstens ein Jahr richtig getrieben hat, so kann er darauf rechnen, daß seine Hörer ohne Gefahr die von ihm genannten Geschichtsschreiber Nachlesen können. Seine Hörer werden keine solche Stelle wie die oben angeführten, wenn sie auch noch so bestimmt gefaßt sind, als tauras mauscheh hinnchmcn, sondern sich skeptisch gegen alle solche Beweise verhalten. Vielleicht werden sie sogar dahin kommen, daß sie einein allerdings unvollständigen Jnduktionsschluß ziehen, und sich sagen, an soundso vielen Stellen sahen wir, die Ausführungen von Graetz und seiner Parteigenossen sind falsch, sind tendenziös, sind einer reichen Phantasie entsprungen, die Wahrheit der biblischen Quellen und der talmudischcn hat sich so häufig glänzend gezeigt, also ist ihre Richtigkeit uns mehr als ein Dogma, ist sie für uns zur Überzeugung gelvorden. Auf dem Weg, den er aber einschlagen will, wird B. E. das kaum erreichen, was doch zu erreichen auch sein Wunsch ist. In der neuereil Zeit weiß man allerdings, daß bei Violen Infektionskrankheiten, wenn sie einmal überstanden sind, der Körper inimun geworden ist, wird man deshalb einen Menschen der Gefahr der Tvphusansteckung aussetzen, weil er dann immun geworden ist, lvenn er sie übcrstanden hat? Früher hat Ulan bei Masern die nichtertrankten zu den erkrankten Kindern ins Bett gelegt; wird das ein vernünftiger Arzt beute nüch tun, nachdem nran das tückische Wesen dieser Krankheit erkannt hat? Was ist es anderes, was B. E. will? Er will die jungen Leute direkt vor die schwerstcll Gefahren stellen, uild das, ohne Latz der Arzt, der die Infektion zu bekämpfeil vermag, gleich zur Hand ist. Denn schwerlich wird der Leiter stets in der nächsten Stunde dazu kommen, all das zu besprcchcil, lvas an Zweifeln durch die Lektüre solcher Schriften, wie er sie empfiehlt, hervorgerufen ist. Hat man es denn mit Häckel's ״Welträtscln" und der Darwin'schcn Dcsccdenzlehre auch so gemacht, wie B. E. es hier vorschlägt. Mit Nichten. Man hat der Jugend eine Schutzimpfung gegeben, man hat ihneil manches, was sie verstehen konnten, initgeteilt, manches Gute emp fohlen, manches Schlechte mit Gegenbeweisen sofort zur Kenntnis gebracht, wenn sie in ein Alter traten, daß ihnen Beweis und Gegenbeweis verstäirdlich waren, bannt sie in dem Alter, in dem sie sich ihre Lektüre schon selbst ivählen, nicht unvorbereitet den Jdecil dieser Natlirforscher cntgegenträten. Aber man hat ihnen keinesfalls gesagt, lost nun, ivas ein Hackel, ein Darwinist geschrieben hat, und findet euch so lange damit ab, bis ihr bei irgend einer Gelegenheit Aufklärung über das Hypothetische und das Gesicherte ihrer Ausführungen kennen lernen werdet. Oder glaubt B. E., ein vernünftiger Lehrer gebe seinen Schülern nicht auf der Schule schon Kenntnis von der Bibelkritik gerade in ihrer extremsten Form? Natürlich kann er das nur, wenn er auch der Beschäftigung mit Tenach eine größere Aufmerksamkeit zuwendet, als das gemei niglich geschieht. Wenn B. E. nur solches Publikum hätte, dann