Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 6 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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gehabt, die ihm der König nach Vers 25 eingeräumt haben soll, so hätte er in Jerusalem ganz anders Verfahren können, als er es getan hat, kurz, auf diese günstige Urkunde ist ebensowenig zu geben wie auf die feindselige des Ataxerxes 4,19. ffg., die ohnehin einander aufhebcn. Also ein ganz anderes Tatsachenmaterial wird hier angenommen als das, was in der Bibel berichtet wird. Daß solche Ausführungen, die mit dem bestimmten Tenor eines absolut gesicherten wissenschaftlichen Resultats geschrieben sind, auf viele jungen Leute ihre Wirkung nicht verfehlen werden, ist nicht zu verkennen. Gerade weil sie, wie B. E. schreibt, ein wenig Kritikfähigkeit bcsitzen, aber eben nur ein wenig, und weil ihnen die Kenntnisse abgehen, die sie zum Nachpriifen befähigen, kann der Eindruck nicht ausbleibcn. Vielleicht allerdings sagt sich der junge Mann bei der letzten Stelle selbst: Schade, daß Esra nicht Herrn Graetz als Berater gehabt hat, er hätte seine Macht vielleicht anders -- ob besser, sei dahingestellt - angewendet. Vielleicht liest er auch beide Urkünden durch, sieht, daß sie sich tatsächlich widersprechen, daß aber darin kein Grund liegt, an ihrer Echtheit zu zweifeln, weil sie eben aus verschiedenen Zeiten stammen, und wenn selbst Artachaschta beide Male derselbe König wäre, so ist es auch sonst schon einmal vorgekommen, daß ein persischer König aus einem rege male informato ein melius informatus Wurde. Vielleicht hat er sogar einmal gelesen, daß die Papyri von Elefantine die Urkunden in Esra vollauf bestätigen. Vielleicht aber ist das alles auch nicht der Fall, und bei 99% der Hörer darf man es gar nicht voraussetzen, dann muß der Kursleiter sich alle diese Stellen merken, die Schilderungen der Tatsachen, wie sie wirklich waren, von neuem beginnen, und erst mit Gründen und Beweisen kommen, um zu zeigen, daß die textkritischen Bemerkungen Graetz' an dieser Stelle falsch sind. Hat sich aber einmal der Gedanke festgesetzt, daß die Möglichkeit einer solchen Textkritik gegeben ist, dann ist die Gefahr schon sehr groß. Ja, dann ist schon mehr verdorben, als der ganze Wert des Geschichtskurses sein kann, denn dann ist der Glaube an die Göttlichkeit des Tenach erschüttert und ein Mensch mehr dem Judentum verloren gegangen. Es würde auch herzlich wenig Holsen, wenn man dem Hörer sagte, benutze in der nachbiblischen Zeit Graetz' Darstellungen, für die biblische Zeit lege sie beiseite, da steht er nicht auf unserem Standpunkt oder dergl. mehr. Denn mit dem Augenblick, in dem Wir nur die biblische Geschichte ausschaltcn, hätten wir seine Autorität fiir die anderen Perioden anerkannt, und der Hörer wird sich wahrscheinlich sagen, ein Forscher, dessen Methoden wir für einen Teil des Gebietes anerkennen müssen, darf auch auf den anderen Teil verlangen, ernst genommen zu werden. So wie B. E. es also vorschlägt, geht es nicht. Der Dozent allein muß das Tatsachenmaterial liefern, das ihm dann wieder für den Nachweis des Pragmatismus der Geschichte dienen soll und insbesondere in der jüdischen Geschichte die leitende Hand Gottes aufweisen läßt. Er muß dabei eingehen auf andere Darstellungen, die das Tatsachenmaterial anders vorführen, muß, wenn es irgend