Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 6 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 nit Thoragelehrte in großer Anzahl in Babel Ware», die sogar den Palästinensern geistig zn Hilse kamen, ein Paar Namen gesrannt, nnd dann gesagt, man habe fälschlich in anderen Kreisen die Mcinung, erst mit Hillel und Schammai ^habe die mündliche Lehre begonnen, erst Rab habe sie nach Babel gebracht - dann kann jeder gerne Gractz' Darstellungen lesen. Er wird von vornherein mit Mißtrauen an seine Ausführungen gehen, die in ihrer apodiktischen Form jeden Harmlosen Leser beeinflussen müssen. Und ist der Schüler dann noch im Zweifel, so wird er sich an den Kursleiter wenden, der ihm dann hoffentlich auch Rede und Antwort stehen kann. Denn diese Qualifikation muß natürlich für jeden Kursleiter gefordert werden, ob man nun solche Darstellungen benutzt oder nicht. Man wende mir nicht ein, das seien doch Dinge nebensächlicher Art, nein, das sind Fragen, mit denen unsere Religion steht und fällt. Ein weiteres Beispiel. Der Herr, der sich vorbereitet, liest bei Gractz von der pilpulistischen Methode des Rab Jehuda, die viele seiner Schüler nach Palästina trieb, flugs setzt sich bei ihm fest, Pilpnl ist identisch mit Sophistik, das Wort begegnet ihm später wieder, nnd er wird, von ganz falschen Anschauungen ausgehend, aus all die Gelehrten der neueren Zeit in Polen, zu denen wir als Geistesgrößen emporblicken, den Stein werfen, als wären sic Haarspalter usw. gewesen. Geht aber der Lehrer den umgekehrten Weg, so kann er bald zeigen, was der Talnrud unter Pilpul versteht, und kann gerade bei Rab Jehuda durch ein Beispiel, das er ansührt. zeigen, wie die ״Lehriveise" des Rab Jehuda wirklich war. Flicht er dabei die Bemerkung ein, man muß erstaunen, was man in der jüdischen Geschichte aus diesem Begriff gemacht hat, so kann sein Hörer ruhig lesen, was die Herren, die B. E. anführt, geschrieben haben. Er wird höchstens das unangenehme Gefühl dabei haben, daß man so oberflächliche Urteile abgeben kann, wie sie ihm in seiner Lektüre entgegentreten. Wir haben nur einige Beispiele heransgegriffen, die uns beim Niederschrciben gerade cinfielen, wir könnten ihre Reihe um das Hundertfache vermehren. Aber wir wollen uns der Geschichte, deren Quellen uns noch in der Bibel gegeben sind, zuwenden. B. E. ist da sehr vorsichtig. Er gibt seinen Hörern die Übersetzung von Zunz oder Bernfeld in die Hand. ״Gerade die sonst im Unterricht vernachlässigten wundervollen Bücher Esra und Nehemia können da viel Anregung geben" .*> Will B. E. für diese Zeiten Graetz, Ewald, Wellhausen (von Ewald bis Wellhausen ist kein großer Schritt) ausschalten? Wir können verstehen, daß er sagen wird, mit Bibclkommcntaren haben *) Woher stammt übrigens das Urteil, daß diese wundervollen Bücher so sehr vernachlässigt werden? Wir denken, wo man überhaupt Tenach treibt, da liest man diese Bücher gleichfalls. Wir wenigstens haben uns in den Kreisen, mit denen wir Tenach rrieben, es nie versagt, Esra, Nehemia, ja Daniel zu lesen. Oder ist das Urteil auf die Weise gewonnen, wie jenes famose Urteil in der bekannten Anekdote: ״Les habitants de cette ville ont les cheveux rouges, begayent et sont fort impolis“.