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Blätter · 1918-05-01 · 5 (5.1918) · p. Seite 6

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Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
5 (5.1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 4 Natur- und Menschenkenntnis 5. Geschichte (beides Natur- und Gcschichtskenntnis vom Th'nach Geist durchdrungen) 6. Lebensweisheit aus schriftlicher und mündlicher Lehre (aus Rambam, Schulchon Oruch, Mischnah und G'moro). Wir glauben, ein nationaleres Programm könnte kein Redakteur des „Moment" oder des „Jüdischen Volkes entwerfen.**) Oder, um noch ein Beispiel anzuführcn, daß auch bei H i r s ch niemals Judentum nur Konfession war, daß niemals die Einheit des jüdischen Volkes auch nur einen Augenblick in Frage stand: Es heißt im Bercscheis 32, l: „Da fürchtete sich Jacob sehr und es ward ihm Angst,.da teilte er die Leute, die er bei sich hatte". Hierzu bemerkt Hirsch : „Er teilte: So war unsere Zerstreuung imGolus Mittel zu unserer Erhaltung und Rettung .... Während wir am Rhein bluteten, waren unsere Brüder im Slawenreiche glücklich, und umgekehrt". Und wenn heute der Konnex zwischen Rhein es könnte auch der Main sein - und dem Osten leider loser geworden ist, —■ an der Arbeit, an dem Werke unserer großen Führer liegt das nicht. Wäre die Regeneration der deutschen Jndenheit nach ihrem Sinne ausgeführt worden, es sähe anders aus. Daß es anders gekommen ist, entspringt wohl anderen Ursachen die uns vielleicht klar werden, wenn wir bei der Betrachtung der d e u t s ch e n Orthodoxie einmal von dem Westen absehcn. Der Krieg hat gezeigt, daß der Zusammenhang zwischen Ost und West nicht gerissen ist, nie gerissen war. Dem gesetzestrenen Juden der ostdeutschen Gemeinden ist der polnische Jude kein Fremder. Ostjüdische Kultur ist ihm nichts Verächtliches, ostjüdisches Thorawissen erscheint ihm als zu erstrebendes Ideal, ostjüdische Literatur erscheint ihm nicht lächerlich, sondern sind ihm Äußerungen warm empfindenden jüdischen Volks- Lebens, das er bei sich selbst schmerzlich vermißt. Ostjüdischcr Jargon ist ihm kein Buch mit sieben Siegeln.. Wer gesehen hat und noch sieht, wie sich während des Krieges, auch schon vorher, unsere jüdischen jungen Leute und jungen Mädchen ausnahmslos dem Hilfswerk für ihre östlichen Brüder in alter jüdischer Treue und voll Verständnis für deren Eigenart Hingaben, so oft das Bedürfnis herantrat und es trat oft heran - der kann eigentlich nicht der Meinung sein, daß hier nicht bereits der Weg zur Einheit dem Ziel der Agudoh - beschritten wird. **) Was Rabbiner Hirsch den )'»f des Universaliilen eingetragen bat, — es ist ein Zeichen der Zeit, daß das an manchen Orten fast wie Tadel klingt — ist wohl die Erscheinung, daß er bei seiner Darstellung der jüdischen Lcbre auch die zeitgenössischen reigwnsvhilosophischen Systeme in den Kreis der Betrachtung gezogen hat aber stets znin höheren Ruhme des Judentums und ohne damit irgend rineu Ausgleich nach de cn Richtung hin?u oersuchen. Ganz anders wie die Theoretiker der neuen n tional-jiidischen Lehren, die doch in ein tatsächliches AbhängigkeiisocrhältniS zur Zettpbilvsoobie getreten sind, ohne daß deren Anhänger jemals wagen wurden, gegen sie den Borwurf der Anöhuelung zu erheben.

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