Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 5 (5.1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 Und doch sind auch die ostdeutschen Gcsctzcstreuen letzten Endes nur Gefolgsmannen und Produkte der Geistesrichtung eines Rabbiner Hirsch und vielleicht haben sie gerade deshalb den K'lall Gedanken niemals verloren. Alan sagt, daß es in Westdeutschland anders sein soll, tatsächlich scheint es der Fall zu sein, aber andere Ursachen verschulden dies. Keine inneren die in der Richtung und der Kampfesform unserer Führer liegen, sondern rein äußere, vielleicht zu große räumliche Entfernung von den östlichen Kulturzentren, vielleicht das größere Maß von politischer und sozialer Freiheit, das den Westen die anders gearteten Verhältnisse des Ostens nicht recht begreifen läßt, vielleicht andere Ursachen, die zu erörtern nicht im Rahmen dieses Aufsatzes liegt. Auch aus dieser Gegend hat der Krieg junge Leute nach dem Osten geführt, hat sie den Konnex finden lassen, den sie wohl bewahren werden. Und seltsam, fürwahr ganz seltsam, so daß es fast in kein Bild hincinpaßt und daher zu denken gibt: Wenn man sich in Polen nicht ganz als Deutscher Ar» Hoorez ausweist - ach, man ist auch drüben recht bescheiden geivorden - so ertönt die Frage: „Wo habt Ihr gelernt, doch wohl in Frankfurt?" Und wenn die Frage dann auch verneint werden mutz, so erfüllt cs uns doch mit ein wenig Stolz, daß rvcnigstcns eine Kehilloh sich im Osten den Ruf der Jüdischkeit erhalten hat. Denn wohl gemerkt, cs sind doch mrr die großen Schreier, die durch ihre Stimme die große Menge zu übertönen versuchen, denen der nur thoratreue deutsche Jude als der weniger wertvolle erscheint. Und ans der anderen Seite wäre es recht gut, wenn sich ein wenig Geist von westdeutschem Geist im Osten einbürgern würde mit seinem Organisationstalent, seinem Selbstbewnßtsein, gestützt ans seine Kenntnisse eines profanen Wissens. Denn es muß leider ausgesprochen werden, noch sind nicht in allen Punkten die Erscheinungsformen dse ostjüdischcn Lebens als hierher zu verpflanzendes Vorbild anzuschcn wobei allerdings auch hierbei alles verstehen, alles verzeihen heißen muß; noch ist nicht erwiesen, ob beispielsweise die östliche Art des Gottsdienstes mit ihren unschönen Auswüchsen, ihren Verstößen gegen die Regeln der Würde die ideale ist, nicht immer ist Lebhaftigkeit gepaart mit K'wonoh. Auch hier ivürde ein Ausgleich zwischen West und Ost von edelster und tiefster Wirkung sein. Es erschien «ich nicht unwichtig, auf die Gefahr der falschen Einschätzung der Geistcsrichtung der gesetzestrcucn Judenheit in ihrem Verhältnis zum Ostjudentnm hinzuwcisen. Wir alle sind überzeugt, daß mit der Erstarkung des K'lall Gedankens die Agudoh erstarkt und mit ihr das Gesamtjudentum. Und der Gedanke wird stärker werden, weil die Bande zwischen den einzelnen Kulturzentren nur gelockert, aber nicht gerissen sind. Den wir sind ja nicht minder national, wie jene, die diese Bezeichnung nur als Schlagwort und Deckmantel für ihre wahrhaftige Assimilation,