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Blätter · 1918-04-01 · 4 (4.1918) · p. Seite 12

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Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
4 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Was aber die wunderlose Zeit im Gegensatz zu den Wundern der bibl. Geschichte betrifft, so ist schwer zu verstehen, wie durch Geschichtsunterricht dem Kinde dafür ein besseres Verständnis gegeben werden kann. Es sei denn, daß wir es auf die vielen Wunder Hinweisen, die nicht ein Durchbrechen der Naturgesetze sind, sondern sich in deren Rahmen vollziehen. Aber genügt dazu nicht die Purimgeschichte, die so rational zu erklären ist wie nur irgend eine andere Erscheinung, und die doch dem Betrachter ein Wunder zeigt in dem auffälligen Zusammentreffen so vieler Ereignisse, die zusammenwirkten, den Sinn des Königs plötzlich zu ändern, um den Sturz Hamans herbeizuführen? Für diesen Punkt der Ausführungen von B. E. käme also der Unterricht in nachbiblischer Geschichte gar nicht in Betracht. Wie man aber das Wort Goethes, das B. E. an die Spitze seiner Ausführung gestellt hat, auffassen möge, der Geschichtsunterricht, den B. E. für die Jugend offenbar anstrcbt, das ist die Geschichte des Leidensgangcs Israels durch die Zeiten, ist nicht einmal, wenn er teleologisch betrachtet wird, geeignet, Begeisterung zu erzeugen. Er kann ruhiges abwartendes Gottvertraucn bestenfalls Hervorrufen, das aber umso besser, je weniger er sich in Details verliert; wird er nicht teleologisch betrachtet, sagt sich der Golusjude nicht, es ist für Israels Zukunft sicher das Beste gewesen, daß Aes so^ leiden mußte, und die Leidenszeit wird einst abgelöst von der messianischen Periode — in der die Völker wetteifern werden, das an uns begangene Unrecht gut zu machen, s. 5. B. M., .Kap. 32, 43 - dann könnte sie nur Verbitterung Hervorrufen und Depression anstelle der Begeisterung. Also doch, wird der geneigte Leser sagen, also doch eine Gegnerschaft czegen Geschichtskurse. Mit Verlaub! Das ist durchaus nicht der Fall, wir möchten nur den Begriff der jüdischen Geschichte ein wenig anders gefaßt wissen, als B. E. es tut und als er gemeinhin gefaßt wird, und damit kommen wir auf den anderen Punkt, der die Veranlassung zur Diskussion auf dem 2. Jugendtage gegeben hat. Wir möchten darauf Hinweisen, daß die Geschichte Israels in der Zerstreuung nach dem Aufhören der politischen Selbständigkeit, bezw. nach der Zerstörung Bethars oder schon von der Zerstörung des 2. Tempels an, in erster- Linie Geschichte der Literatur ist, Geistesgeschichte, und wir halten es für unendlich Wichtig, diese Geschichte den weitesten Kreisen zum Verständnis zu bringen, nur möchten wir vor allem erst die Vorbedingung dafür schaffen, daß dies möglich ist. Für das erste ist die Möglichkeit leider noch nichk vorhanden, denn wie man einem Blindgeborenen keinen Begriff geben kann von der Pracht eines ausgesttrnten südlichen Himmels, so kann man den Kreisen, die nicht „gelernt" haben, keinen Begriff beibringen von der riesigen Geistesarbeit eines Abaji und Naba, eines Rab Aschi und Rabina, eines Raschi und eines Rambam, eines Ri und eines Rabenu Tam. Nicht einmal einen Gabirol und Juda Halevy in ihren Poesieen kann man dem großen

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