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Blätter · 1918-04-01 · 4 (4.1918) · p. Seite 10

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Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
4 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 - gewinnen, die doch schließlich erst aus Grund der geschichtlichen Entwicklung des jüdischen Volkes ganz zu begreifen sind. Was damals die Diskussion und die Divergenz der Ansichten hervorrief und die lange Aussprache entstehen ließ, war vielmehr die Frage, was unter Jüdischer Geschichte zu verstehen sei und vor allem die Frage, ob es denn möglich sei, in allen Gruppen obligatorisch solche Kurse einzurichten, ohne die Gefahr hcraufzubeschwören, daß gerade das Gegenteil von dem erreicht würde, was wir erreichen wollen. Gerade denen, die die Wichtigkeit der Geschichtskurse am deutlichsten suhlten, nmßte es klar sein, daß nur ein wirklich tendenziöser Geschichtsunterricht dem dienen kann, was wir wollen, d. h. ein Unterricht, der, soweit die objektiven Tatsachen in Betracht kommen, nicht durch die Brille einer Partei sieht. Das schien ihnen bei den wenigen aus die Qrrellen zurückgchenden Werken, die uns zur Verfügung stehen, und bei der leider vorhandenen Unfähigkeit weiterer und weitester Kreise, die Quellen selbst zu lesen oder auch nirr die meist hebräisch geschriebenen Werke zu studieren, die objektiv an die Quellen herantrcten, fast überall unmöglich, ausgenommen in den großen Zentren der jüdischen Bevölkerung. Ein Beispiel aus der Diskussion der damaligen Tagung möge zur Illustration dienen. Von der Vertreterin einer großen Jugendgruppc wurde vorgebracht, in ihrem Orte hätten die jungen Damen einen solchen Kursus für Schüler und Schülerinnen der höheren Lehranstalten und der Volksschulen, eingerichtet, der es sich zur Aufgabe gestellt hätte, die biblische Geschichte -- NB. liegt deren Kenntnis leider in den meisten Orten auch sehr im argen zu behandeln, um den Einfluß der neologen Lehrer, die sie unterrichteten, zu paralysieren. Auf die Frage des Vorsitzenden, nach welchen Quellen sich die jungen Damen denn präparierten, auf die natürlich die Antwort erwartet wurde, nach der Bibel und den jüd. Commentatoren, wurde geantwortet, nach Gractz, Auerbach usw. Man bedenke, selbst für die Teile der jüd. Geschichte, die doch wenigstens in Übersetzung jedem zugänglich sind, glauben die, deren guter Wille doch nicht verkannt werden kann, auf Graetz zurückgrcifen zu sollen, dessen Stellung zu Tenach und seiner Göttlichkeit doch sattsam bekannt sein dürfte, wohl deshalb zurückgrcifen zu müssen, weil ihnen selbst der einfache Text der Bibel zu viel Schwierigkeiten bereitet und die jüdischen Commentare ihnen unzugänglich sind. Und nun erst in der sogenannten nachbiblischen Geschichte, bei der die Quellen noch viel unzugänglicher sind! Muß man nicht erwarten, daß in den meisten Fällen Werke wie das von Graetz, Brann, Bacck, die z. T. in ansprechender Form geschrieben sind, aber wie wir wissen, von einseitigem Parteistandpunkt aus die Geschichte darstellen und sich dadurch von tendenziöser Schilderung der Tasachcn gar nicht fernhalten können, den Leitern der Geschichtskurse zur Grundlage dienen werden. Das waren die einen großen Bedenken der Gegner der obligatorischen Geschichtskurse, und es schien tatsächlich, wie B. E. es auch aner-

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