Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 4 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 jedes Menschenleben treten und Stellungnahme fordern. Da ist unsere beliebte Vogel Strauß-Politik nicht am Platze. Diese Bücher existieren nun einmal und erweisen sich bei näherer Einsicht keineswegs als so gefährlich wie ihr Ruf; vor allem möchte ich da für Graetz cintreten. Und dann ist cs jedenfalls günstiger, w i r geben unserer jüdischen Jugend diese Bücher in die Hand, die wir sie doch auch gleichzeitig Hinweisen können auf ihre Einseitigkeiten oder falsche Tendenzen, nls daß wir andersdenkenden Kreisen die erste Gelegenheit offen lassen, unserer Jugend diese Bücher zur Erbauung zu überlassen. . Vor dieser Gelegenheit kann sie niemand schützen; ebensowenig als man zu anderen Zeiten vor Häckels „Welträtseln" oder Darwin und anderen Götzen versunkener Zeiten schützen konnte. Man kann diese Einflüsse nur paralysieren, indem wir einen einheitlichen Maßstab für alles Geschehen setzen, das göttliche Prinzip in aller Entwicklung, und unsere Jugend lehren, ihn anzuwenden. Wir werden uns dabei manchmal (ich zweifle, ob es bei viel gutem Willen allzu oft sein muß) in Gegensatz stellen zu den Ergebnissen der historischen Forschung. Dann werden wir gerechr sein und nicht die Kompetenz der Wissenschaft überhaupt in Abrede stellen, sondern auf die vielen Hemmungen Hinweisen, denen alle wissenschaftliche Forschung unterworfen ist, sodaß ihre heutigen Ergebnisse keineswegs letzte Resultate sein müssen. Aber es ist von unendlichem Wert, auch hier darauf hinzuweisen ,daß keineswegs prinzipielle Gegensätze zwischen ivissenschaftlicher Forschung und religiöser Erkenntnis bestehen müssen, daß wir uns auch hier eine Zeit sehr wohl denken können, in der sie gemeinsame letzte Ziele anstrcben, auch wenn ihre Wege nicht die gleichen sind, daß also auch hier eine letzte Einheit und Harmonie angenommen werden kann und muß. So müssen wir in aller unserer Arbeit die Beziehung zum Ganzen suchen, die Einheit zwischen Religion und Welt, Judentum und Menschheit. In diesem Bestreben werden wir uns und die anderen wurzclhafter machen und die Einheit uns geben, welche die Quelle aller Begeisterung ist. Und mit der Begeisterung wird der Erfolg in unsere Arbeit kommen. Bemerkung der Redaktion. Wir können die Ausführung des vorstehenden Artikels nicht ganz unwidersprochen wiedergcben. Zunächst sei festgestcllt, daß über die Wichtigkeit des jüdischen Geschichtsunterrichts ein« Meinungsverschiedenheit auf dem erwähnten 2. Jugendtage, dev A.J.J.A. garnicht vorhanden war, daß vielmehr von allen Seiten anerkannt wurde, daß es von höchster Bedeutung ist, der Jugend (auch den Erwachsenen) die Kenntnis zu vermitteln, die es erst ermöglicht, das rechte Verständnis für die Gegenwartsfragen zu