Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 4 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 aufzeigen zu können. Dieses Verständnis und ein allgemeiner überblick über den Stoff bilden natürlich die Voraussetzung für eine gute Leitung der Kurse. Der Unterricht selbst stellt zwei Aufgaben: die Ermittlung der geschichtlichen Begebenheiten, der eigentliche Stoff also und seiner Verarbeitung nach dem oben angegebenen Prinzip. Die erste Aufgabe soll größtenteils den Teilnehmern selbst übertragen werden. Wir haben es in unseren Kursen mit Erwachsenen zu tun, die ganz besonders gefördert werden können durch selbstständige Vorbereitung auf den Stoff, der dann in Form eines referierenden Vortrags etwa an Hand von Notizen in der Stunde selbst dargestellt werden soll und zwar gleichfalls möglichst von den Teilnehmern sich kann aus eigener Erfahrung versichern, daß das nur am Anfang Schwierigkeiten macht). Wohlgemerkt, es handelt sich bei dieser Vorbereitung um das bloße Tatsachenmaterial ohne jede Beziehungsetzung zu allgemeinen Ideen. Die inneren Zusammenhänge muß der Unterricht geben. Diese zweite Aufgabe fällt vor allem dem Leiter der Kurse zu. Unter solcher Voraussetzung erleichtert sich auch die Bücherfrage; -denn klare, nicht allzusehr ins Einzelne gehende Darstellungen des Stoffes haben wir immerhin zur Verfügung. Für die ersten Perioden, denn damit müssen wir beginnen, bleibt das Tenach etwa in der Übersetzung von Zunz oder Bernfeld die Hanptquelle der Vorbereitung und natürlich für den Lehrer eine unerschöpfliche Quelle, um die für die spätere Geschichte maßgebenden Züge, Konflikte, all das was in der frühesten Geschichte unseres Volkes bereits vorgebildet ist, herauszuarbeiten und mit den folgenden Perioden zu verbinden. Gerade die sonst tm Unterricht vernachlässigten Schriften, d?e wundervollen Bücher von Esra und Nehemia, auch die Makkabüerbücher können da viele Anregungen geben. Für die späteren Perioden natürlich sind wir ans Darstellung angewiesen, und da könnten für die Borbereitung immerhin Bäck, Braun, Kayserling u. a. genügen, und es empsichlt sich, daß sich die einzelnen Teilnehmer auf verschiedene dieser Bücher vorberciten. Jetzt aber zur Hauptschwicrigkeit der ganzen methodischen Frage. Sollen wir gerade auf die wertvollcreu und jedenfalls eingehenderen und anregei>.deren Darstellungen von Graetz und der verschiedenen christlichen Theologen wie etwa Ewald u. a. ldie übrigens naturgemäß das religiöse Moment sehr viel mehr betonen als die jüdischen Werke), sollen wir aus. diese Anregungen in unserem Unterricht ganz verzichten? Für den Lehrer selbst ist natürlich eine möglichst vielseitige Kenntnis des Stoffes und der Tendenzen, nach denen er behandelt wurde, von größtem Vorteil. Aber auch für die übrigen Teilnehmer 'möchte ich die m e i st e n D a rstellun g en in Anspruch nehmen. Graetz vor allem? Wir haben es mit Erwachsenen zu tun, und wenn wir nicht schon einige Kritikfähigkeit vorauszusetzen haben, so ist es unsere besondere Aufgabe, sie nach rznserer Richtung hin zu entwickeln zu einem selbständigen Urteil/ über Ideen und Bewegungen, die heute in