Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 4 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Damit mag vielleicht Berechtigung und Aufgabe des jüdischen Geschichtsunterrichts genügend dargctan sein. Viel schwerer und viel ungenügender wird die Lösung der zweiten Frage sich gestalten, weil sie praktischer Natur ist, d. h. die Methode eines solchen Unterrichts umfaßt; denn hier stehen mir den Dingen gegenüber, mie sic nun einmal existieren oder vielmehr nicht existieren, d. h. einem ziemlich vollständigen Mangel an geeigneten Geschichtswerkcn.*) Das war ja auch wohl der Hauptgrund, der bei der damaligen Debatte in Berlin keine prinzipielle Sympathie für den Geschichtsunterricht anfkommen ließ: die unzureichenden Hilfsmittel, ihn wertvoll zu gestalten. Aber wenn wir überzeugt sind, daß gerade dieser Unterricht viel beitragen kann, unserer Jugend ihre heiligen Aufgaben zu Bewußtsein zu bringen, dann darf m. E. die Realisierung nicht scheitern an der praktisch-methodischen Frage. „Es ist der Geist, der sich den Körper baut." Finden wir den Stoff nicht in dieser Formung vor, in der wir ihn brauchen, so müssen wir diese Form eben schaffen. Das soll nicht heißen, daß nun jemand hingehcn soll und eine Geschichte des jüdischen Volkes schreiben, so wie sie unseren Idealen entspricht; es wäre ja schon von großem Wert für unsere Zwecke, wenn wir wenigstens eine systematische Aufstellung der bereits vorhandenen Bearbeitungen für die einzelnen Perioden, Gestalten usw. hätten, sodaß dieses Material wenigstens für uns fruchtbar gemacht werden könnte. Aber auch das kann nicht von heute auf morgen geschehen. ■ Es wird ja gerade von jüdisch-wissenschaftlicher Seite so wenig für unsere Geschichte getan. Und wenn unsere Kurse da mehr Interesse erwecken könnten, vor allem bei der zukünftigen akademischen Jugend, dann, möchte ich sagen, sei ihr Zweck auch schon reichlich gerechtfertigt. Aber auch das ist eine cura posterior. Wir müssen diese Kurse erst haben. Und da möchte ich vorausschicken, daß meine Kenntnis sowohl des Stoffes als der Bearbeitungen, die er gefunden, in keiner Weise eine vollständige ist; was mich dazu veranlaßt hat, diese Anregungen schriftlich zu bringen, ist die Liebe zur Sache, ein wenig pädagogische Erfahrung und Kenntnis der allgemeinen historischen Methode, soweit sie das Universitätsstudium vermittelt. Aber ich glaube, auf Vollständigkeit kommt es dabei auch nicht an, nicht einmal auf die rein wissenschaftliche Methode; denn wir müssen uns auf den Boden der Tatsachen stellen und damit rechnen, daß wir für unsere Agudoh-Kurse nur selten historisch durchgebildcte und zwar speziell mit den Problemen der jüdischen Geschichte völlig vertraute Lehrer zur Verfügung haben. Wir müssen uns da wohl bescheiden und das Ziel vor Augen, uns damit begnügen, ihm allmählich näherzukommcn. Erreichte Ideale sind eben in sich schon ein Widerspruch. Aber es läßt sich doch vieles erreichen mit Liebe zur Sache und einigem historischen Verständnis, um die größeren Zusammenhänge *)'3lu(f) Halevis Daurauth können schon wegen der sprachlichen Schwierigkeit für den Unterricht nur bedingt in Betracht kommen,