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Blätter · 1918-04-01 · 4 (4.1918) · p. Seite 6

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Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
4 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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den betreffenden Perioden der jüdischen Geschichte keine innere Verbindung, weil er sie eben niemals sehen lernte, und beginnt zu zweifeln an einer wundervollen Vergangenheit, mit der die spätere Geschichte nichts mehr gemein zu haben scheint. Es mögen zunächst nur Zweifel sein, aber sie reißen weiter, und dann ist eines Tages der Riß vollständig, und das Beste ist verloren, das Glaubenkönnen. Ich bin mir bewußt, das Übel hier vielleicht zu einseitig gezeichnet zu haben, es ist sicherlich nur eine Seite. Aber das übel ist so groß, seine Folgen so verhängnisvoll, daß diese Urkeime auch einmal unter dem Mikroskop in einiger Vergrößerung gesehen werden dürfen. Wie aber die notwendige Verbindung nun Herstellen? Indem wir unsere Geschichte als ein Ganzes erfassen, das göttliche Prinzip in allen Zeiten erkennen. Nicht allein die Geschichte des Tenach ist eine heilige Geschichte, die ganze Entwicklung Israels ist getragen von dem großen, göttlichen Gedanken . seiner Bestimmung. Jede Epoche ist ein Gedanke Gottes, das müssen wir fühlen und die Jugend fühlen lehren und ihr, auch wenn wir ihr nicht von Wundertaten erzählen können, die Wunder einer wundervollen, sinntragenden Entwicklung zeigen, die keine Brüche kennt, in der jede Epoche ihre innere Berechtigung besitzt. Wenn wir die Jugend erst lehren, sich eins zu fühlen mit der Geschichte unseres Volkes und diese als Einheit zu erfassen, dann wird auch die Begeisterung für unsere heilige Aufgabe kommen; denn Begeisterung, das bedeutet wurzelhaft sein, bedeutet Verbundenheit. Der Entwurzelte hat nicht die Sicherheit des Ideals und darum fehlt ihm der Enthusiasmus. Darum müssen wir suchen, die Hemmungen zu beseitigen und dazu kann uns der jüdische Geschichtsunterricht unendlich viel Dienste leisten. Droysen hat den Zweck des Geschichtsunterrichts dahin definiert, das Walten Gottes in der Geschichte nachzuweisen. Das kann für den allgemeinen Schulunterricht mir ganz bedingt gelten. Es hängt davon ab, in welchem Grade der Unterrichtende selbst ein teleologisches Prinzip in der Weltgeschichte annimmt, etwa im Sinne Schillers, und das den Schülern in den großen Entwicklungen der Kultur nachweist. In viel weiterem Sinne kann das aber für die Zwecke und Art unseres jüdischen Geschichtsunterrichts maßgebend werden. Nicht allein, weil wir von vorne herein auf der Basis einer Weltanschauung stehen, die alles Geschehen in Beziehung setzt zu einer göttlichen Allmacht, sondern weil die ganze jüdische Geschichte, die Geschichte des heiligen Volkes in viel höherem Maß als eine andere, einen metaphysischen Stempel trägt, die Geschichte einer religiösen Kultur darstellt- Der Zweck unseres Geschichtsunterrichts ist es, hinter dem willkürlich scheinenden Ablauf der Dinge ein letztes Ruhendes, das^ewig waltende Prinzip zu suchen.

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