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Blätter · 1918-04-01 · 4 (4.1918) · p. Seite 5

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Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
4 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 bekannt, einen wesentlichen Grund dafür in dem Mangel an nationaler Bindung in unserer Erziehung. Wir trennen unser religiöses Leben vielfach von unserem bürgerlichen und beruflichen; für das Kind ist diese Trennung schon mit dem Eintritt in die „christlichgermanische" Schule gegeben. Das Jüdisch-Religiöse erhält seinen gesonderten Platz, wird damit abgeschnürt von dem Gesamtkörper und-muß verkümmern. Hier müßte nach Herrn Dr. Unnas Ausführungen das nationale Element als Bindeglied eintreten. Auf diese Frage cinzugehen, ist hier nicht der Platz. Sie soll nur ein Beispiel sein für die unsere, für eine andere Trennung, die wir nicht minder häufig machen in Erziehung und Leben, und die nicht weniger verhängnisvoll werden kann: Wir schneiden unsere Gegenwart von unserer Geschichte ab. Gewiß kein Volk der Welt hängt mit mehr Liebe an seiner Genesis als das unsre; gewiß, wir feiern heute noch Feste und Gedenktage, deren geschichtliche Anknüpfung mehr als 4 Jahrtausende zurückliegen. Aber diese Ge? schichte, mit der wir uns doch identisch fühlen, reicht soweit, als das Chumesch oder, sagen wir als das Tcnach sie uns erzählt. „Gewiß", wird man mir einwenden, „weil das unsere heiligen Überlieferungen sind, die Geschichte, die sichtbar den Stempel Gottes und seiner heiligen Diener trägt." Und seit dem Jahre 586 v. trägt die Geschichte Gottes Stempel nicht mehr? Wer will sagen, daß der Sinn der ägyptischen Lcidenszeit ein durchaus anderer gewesen sein muß, als der einer spanischen Vertreibung oder russischer Pogrome. Hier machen wir den Schnitt: Wir haben eine heilige Geschichte bis zur Zerstörung des Mikdosch und werden dort wieder anknüpfen, in den Zeiten des Moschiach. Das sind die beiden methaphysischen Angelpunkte: die wunderreiche Geschichte der Vergangenheit und das Imaginäre der Zukunft. Und dazwischen? unsere profane Geschichte inmitten der Völker, unverbunden, ein Interim. „Die Zeiten der Wunder sind vorbei, in denen Gott von Angesicht zu Angesicht gesprochen", das ist eine der plausiblen Erklärungen, die das> Kind erhält, wenn es zum ersten Mal eine Verbindung sucht zwischen dem Gott am Schilfmcer und einer unheiligen, wunderarmen Gegenwart. Es kommt etwas Schmerzliches in das kindliche Empfinden, wenn es zum ersteil Mal diesen Bruch fühlt, ein Ausgestoßensein aus etwas Wunderbarem. Der Riß muß sich aber notwendig verschärfen, je mehr Vergleichspunkte die Schulbildung dem Heranwachsenden, dem Gymnasiasten an die Hand gibt. Die sagenhafte, mythische Vorzeit der antiken Völker, die erst an einem bestimmten Punkte in eine wunderlose, wissenschaftlich zu fassende geschichtliche Überlieferung übergeht, kann zu leicht die Gelegenheit geben zu einer gefährlichen Parallele mit der jüdischen Geschichte. Ja, die Art des Geschichtsunterrichts in den Schulen unterstützt solche Gedankengänge nur zu oft, und der Religionsunterricht, der entweder überhaupt mangelhaft ist oder zum mindesten in Bezug auf die Geschichte, hindert sie nicht. Der Schüler sieht auch zwischen

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