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Blätter · 1918-03-01 · 3 (3.1918) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
3 (3.1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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halber, die zu erörtern hier nicht der Platz sein kann, zum Schweigen verurteilt, ihr sittlicher Richterspruch wagt nicht laut zu werden, und nur Wenige, die ein solches Treiben nicht mitmachen wollen, ziehen die einzig mögliche Konsequenz aus dem geschilderten Verhalten, und durch die Ehrsucht eines Einzelnen geht eine einst angesehene Gruppe zu Grunde. Die Organisation wendet alle Mittel an, um die Jugend zu selbständigen Denkern heranzubilden, und - hier wird jede Regung zur selbständigen Betätigung zu ersticken gesucht? Nur der Geisteskampf kann Geistesleben und damit geistiges Arbeiten erzeugen; er ist das Barometer unserer geistigen Höhe; an ihm lesen wir ab, wes Geistes Kind wir vor uns haben. Aber macht man diesen Einwurs, so kann man hören, wie man cingeschätzt wird. Man arbeitet ja nur aus selbstsüchtigen Gründen; weil man nicht der Leitung angehört, arbeitet man ihr entgegen, ja man ist Feind der Agudo. Alles das kann man hören, nur keine ehrliche Anerkennung des Gegners. Gewiß können Diskussionen auch aus Kindischkeit oder gar Rauflust erzeugt werden; aber daß so etwas vorkommt, ist Ausnahme, und wenn man jede Anregung zur Diskussion so einschätzt, dann wird ein Zustand geschaffen, bei dem ein ersprießliches Arbeiten nie möglich ist, indem ein einziger seine Ideen durchsetzt, die Anderen aber nur „Ja" und „Amen" dazu sagen dürfen. — Die Menschen sind verschieden, verschieden sind auch ihre Meinungsäußerungen, und solange Menschen mit ihren Schwächen die Erde bewohnen werden, so lange wird auch ein Jeder seine eigene Idee haben und sie als die beste verfechten. Zu selten sind lsidcr die Menschen, die in allen Fragen, die im täglichen Leben an sie herautrcten, eine auffallende Meinungs- Übereinstimmung zu konstatieren in der Lage wären. Daher muß man mit sachlichen Meinungsverschiedenheiten in jeder Vereinigung, in der Geist vertreten ist, rechnen; die vornehmste Aufgabe der Beteiligten sehe ich darin, Sorge zu tragen, daß auch die Lösung streng sachlich erfolgt. Nur dann kann aus der Diskussion von Differenzen etwas Ersprießliches herauskommen, wenn die Anschauung eines jeden Einzelnen im Geiste der gegenseitigen Achtung und des vollen Vertrauens, daß ein jeder mit seiner Meinung nur der Agudo Bestes wünsehs, nach ihrem tatsächlichen inneren Wert sorgfältigst erwogen wird. Da darf snicht der an Anhang scheinbar Stärkere auf eine Vergewaltigung der Gegenseite abzielen; hier muß die liebevolle Rücksichtnahme auf den Bruder einsetzen. Tritt an die Stelle der Achtung und des Vertrauens die Mißgunst, dann wird die gefundene Lösung Niemandem zur Befriedigung gereichen; sie wird zu fortwährenden Reibereien Anlaß gebeir, bei denen nichts Positives herauskommen kann, und bei denen sich beide Teile aufreiben. Wenn nun Herr Land von einem Verständigungsfrieden im Weltkrieg der Anschauungen nichts wisse möge, so dürfen diese Worte nicht verallgemeinert werden. In der Agudo muß an die

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