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Blätter · 1918-03-01 · 3 (3.1918) · p. Seite 8

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Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
3 (3.1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 kurzem stattgehabten 2. Delegiertentag Ausdruck verliehen hat, daß wir keine Zionisten sind, aber auch keine Antizionisten, und daß es deshalb Ehrenpflicht ist, sich von jeder antizionistischen Bestrebung und Regung fernzuhalten und sie nicht zu fördern. Daß an dem von uns eingenommenen Taurostandpunkt nicht gerüttelt noch gedeutelt werden darf, ist eigentlich so selbstredend, daß dessen Erwähnung überflüssig erscheinen konnte. Nur müssen wir uns hüten, der zionistischen Bewegung die jetzt immer deutlicher zu Tage tretende Daseinsberechtigung abzusprcchen, wie es übereifrige Taurohjünger so gerne tun. Aber das Verbreiten zionistischer Ideen überlasse ich lieber den Zionisten selbst. Weit davon entfernt, mich zu deren Fürsprecher zu machen, möchte ich vielmehr das Augenmerk der gesch. Leser auf die Verhältnisse innerhalb unserer Jugendgruppen zu verweisen mir gestatten, die uns doch so unendlich viel mehr angehen. Es ist immer so eine Sache, sich in Angelegenheiten anderer einzumischen, wenn man im eigenen Kreise nicht zufrieden ist, und es könnte dem aufmerksamen Beobachter beinahe so Vorkommen, als ob die Beschäftigung mit außer-agudistischer Politik nur vorgeschützt sei, um die Gedanken von den eigenen Mißständen abzulenken. Das Geplänkel zwischen Agudo und zionistischer Bewegung besteht wohl schon etwas länger und findet schließlich in der Verschiedenheit der Aufgaben und der verschiedenen Auffassung von Religionsfragen gewissermaßen auch eine Berechtigung. Daß dieser Zustand aber in der letzten Zeit bedenklicher geworden ist, möchte ich zu bezweifeln wagen. Traurige Tatsache dagegen ist, daß das gute Verhältnis in den Jugendgruppen stark abgenommen hat, und ich muß — so sehr ich die Motive zur Veröffentlichung des „Familiensinn" zu schätzen weiß — offen gestehen, ich hätte es wohl lieber gesehen, wenn Herr Land ein bischen länger am häuslichenen Herd verweilt und die Zustände, die dringend nach Abhilfe schreien, nicht nur in ein paar knappen Sätzen gestreift hätte. Wir brauchen wohl keinen Vorwurf zu befürchten, wenn wir es hier offen bekennen, daß uns der Jehudi, der der Überlieferung die Treue bewahrt oder zu bewahren bestrebt ist, näher steht als der Nicht-Agudist, und daß man die Achtung der Person und ihre Unantastbarkeit auch dem Agudisten zu gewähren verpflichtet ist, erscheint mir somit als eine Selbstverständlichkeit, an der m. E. auch die Tatsache bestehender sachlicher Differenzen nichts zu ändern imstande sein dürste. Klingt es glaublich, daß ein Agudist den anderen, der es nicht gewohnt ist, sich durch die rohe Gewalt Ansichten aufdrängen zu lassen, — also sachlicher Meinungsverschiedenheit halber — öffentlich „Ketzer", „Apikaures" usw. benennt, noch dazu ein solcher, dessen Urteil in Agudo-Angelegenheiten durch keinerlei Sachkenntnis getrübt ist? Ich gebe zu: die Mehrheit unserer Agudo-Mitglieder hat — und sonst wäre es traurig um unsere Jugendgruppen bestellt — für ein derartiges Auftreten kein Verständnis und mißbilligt es; sie ist aber gewisser Verhältnisse

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