Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 3 (3.1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Dieser Pionierarbeit ist im letzten Winter eine großzügige Kolonisierungsbewegung gefolgt, die durch Vorträge und Artikel die jüdische Öffentlichkeit zu gewinnen sucht. Es ist beabsichtigt, nicht weit von Berlin eine jüdische Gartenstadt zn errichten; das Gelände ist bereits gesichert, der Bebauungsplan ausgearbeitet. Diese Siedclung verfolgt vornehmlich zwei Ziele: sie will einerseits die jüdische Jugend, die in der Großstadt eingepfercht ist, der Natur wiedergeben, auf der anderen Seite aber ein jüdisches Milieu schaffen, dessen Bedeutung für die Erziehung der Jugend und den Zusammenhalt der Alten nicht zu unterschätzen ist. Dabei sollen die Bewohner dieser Kolonie trotzdem der Annehmlichkeiten und Vorzüge der Großstadt nicht verlustig gehen und ihren Geschäften in der Stadt weiter obliegen können. (Näheres siehe Jüd. Presse, Jahrg. 49, S. 34.) Objektiv betrachtet, soll dieser neue „Auszug des Volkes Israel" wohl eine Vorphase darstellen zu der von Theodor Herzl in seinem Roman „Altneuland" so packend geschilderten und vom Zionismus erstrebten „Schaffung einer rechtlich gesicherten Heimstätte" in Palästina. Für unsere thoratreue Agudas-Jisroel-Jugend erhebt sich nunmehr die brennende Frage: welche Stellung zu diesen Kolonisiernngsbestrebungen einnchmen? Unsere Haltung muß abhängen von dem Ergebnis der Prüfung, ob die Ziele jener Siedelungen mit den Forderungen unseres Gesetzes übereinstimmen, und von der Zweckmäßigkeitsfrage. Man will die jüdische Jugend der Natur wieder zuführen. Auch die Bibel erkennt den wohltätigen Einfluß des Bodens, insbesondere des palästinensischen, auf den Menschen an. Landbesitz gewährt dem Juden die Möglichkeit, eine neue Reihe von Mizwaus, die Agrargesetze, die auch heute noch zum Teil Gültigkeit besitzen, zu erfüllen, und veredelt ihn durch diese Pflichten. Die aus der Erfüllung entspringende Simchoh schcl mizwoh, die innere Befriedigung, stärkt wieder seine Liebe zur Thora. Ferner eröffnet die Natur mit ihren Einzelwesen und ihren Erscheinungsformen dem, der sich in sie versenkt, einen unversiegbaren Quell wahrer, echter Gotteserkenntnis und Gottesbegcisterung, denn Haschomajim mesaprim kewaud el (Ps. 19), so daß der Betrachter in den bewundernden Ruf ausbricht (Ps. 8) Haschem adaunenu mo addir schimcho bcchol hoorcz. „Ja selbst im kleinsten Kriechtiere offenbart sich eine wunderbare Weisheit Gottes, die wir kaum zu fassen vermögen", lehrt uns der Kusari (I 68, III 17). Da also unsere Religion die Verschmelzung mit der Natur gutheißt, fragt es sich, ob es für uns zweckdienlich ist, uns jener Kolonisierungsbewegung anzuschließen. Wir glauben, diese Frage verneinen zu miissen. Denn während für uns das Leben in und mit der Natur seinen Wert durch die Förderung des Gottesgedankens erhält, denken jene a u s s ch l i e ß lich an das an und für