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Blätter · 1918-03-01 · 3 (3.1918) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
3 (3.1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Zweckverband zur Lösung praktischer Aufgaben in der zionistischen Organisation, sondern er gibt zu, daß der Zionismus „das jü. discheVolkundzwarabgesehenvonseinerThora, organisieren will". Die zionistische Organisation will sogar die „gefährdete materielle und geistige Existenz deS jüdischen Volkes retten und erhalten" und zwar wiederum — »ohne B erücksichtigung seiner Thora". Herr Dr. Fraenkel nennt das ein „Minkmalprogramm", dem er das „Vollprogramm" des Agudo-Nationalismus gegenüberstellt. Weil für das Vollprogramm der Agudo vorläufig nur ein geringer Bruchteil des jüdischen Volkes reif sei, könnten (und müßten doch wohl) sich möglichst weite Kreise auf das „Minimalprogramm" des Zionismus einigen, bis dieser sich selbst „überflüssig gemacht" haben werde. Wir können in diesen Anschauungen nur eine Kette von Jrrtümern erblicken, die ihre Wurzel in einer dem geschichtlichen Judentum gänzlich unbekannten, durchaus westeuropäisch orienitierten Betrachtungsweise haben. Für den echten Juden sind Gott und Israel und seine Thora ein einheitli cher Begriff. Eine Bewegung, die, aus welchen Gründen auch immer, diese Einheit zerreißt und ein thora^entblößtes, entgottetes Israel, wie es die Geschichte nicht gekannt hat, in aller Form organisiert, schlägtdas Volktot, dassiebeleben will. Welt und Judentum haben kein Interesse an der Existenz eines solchen Dutzendvölkchens, das seine glorreiche Vergangenheit verleugnet, um sich mit den Lappen der Tagesmode zu bekleiden. Und es kann — der Idee nach — keinen sittlich zu rechtfertigenden Frieden geben zwischen den Vertretern eines solchen thoralosen „Minimal"-Judentums und denen des Judentums der Geschichte. ' Herr vr. Fraenkel scheint zu vergessen, daß geistige Potenzen sich nicht nach mechanischen Gesetzen summieren und subtrahieren lassen. Wenn ich die „g e i st i g e E x i st e n z" des Judenvolks durch den Aufbau einer die Thora ignorierenden Kultur sichern zu können glaube, so habe ich damit ja nicht etwa bloß kühl darauf verzichtet, etwas Positives über das Verhältnis von Thora und Judenvolk auszusagen, sondern ich habe in positiv st er Weise die Thora aus jüdischen Herzen ausgetilgt. Die begeisterte Hingabe an einen beherrschenden Faktor des Geisteslebens duldet ihrer Natur nach keine Zwiespältigkeit, und in dem lodernden Feuer des nationalen Aufschwungs zur thoraloj^en jüdischen Volkskultur verbrennt mit Stumpf und Stiel die geistige Erbschaft der Jahrtausende: die Liebe zum Spender unsrer Thora, die demütige Unterordnung unter ihr Lebensgesetz, die beispiellose moralische Disziplin gesetzestreuer Lebensführung, die ganze Innigkeit einer aus Gottvertrauen und " St&dtbiblioth»k

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