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Blätter · 1918-02-01 · 2 (2.1918) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
2 (2.1918)
Date
1918-02-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 Manchem mag der obenerwähnte Arbeitsplan zwar reichlich genug erscheinen, doch zu viel des Nichtjüdischen bieten. Ihm zur Antwort: Wir wissen recht gut, daß der Ruf nach mehr „Lernen" am Platze ist, und daß, wenn nur mehr gelernt würde, unsere anderen Einrichtungen mehr oder weniger in den Hintergrund treten würden. Wir sind uns /auch bewußt, daß für das Judentum die Schiurim den wichtigsten Teil unseres Programms darstellen, aber wir glauben, daß auch die anderen Veranstaltungen indirekt dem Judentume nützen, und daß dieser Umweg nicht zu umgehen ist. — Die jungen Leute, die vom Lande als Lehrlinge in die Stadt kommen, haben in Folge der mangelhaften oder auch völlig fehlenden Gelegenheit wenig oder gar nicht „lernen" können. Die neuartige, großstädtische Umgebung bietet für sie ungenreine Reize, und viele sind auf dem Wege, ihr bißchen anerzogenes Judentum im Verkehr mit lockeren jüdischen und auch nichtjüdischen Kollegen preiszugeben. Nun kommt der fromme Kollege und nimnrt sie in einen Schiur mit. Manchen wird der Geist echten Judentums, der dort herrscht, Zusagen, und sie werden sich bald heimisch fühlen; andere, vielleicht die meisten, werden noch einige Male wiederkommen, um sich dann Vergnügungerr zuzuwenden, den Schiur und die Lehren des Schiur aber zu vergessen. Der „gcsetzestreue Jugendverein" muß den jungen Leuten mehr werden als ein bloßes Lern institut. Der junge Mann mutz erkennen, daß man auch Vergnügungen haben kann, ohne die Gebote und Verbote zu übertreten. Der Verein wird deshalb gut daran tun, auch Vergnügungen in sein Programm aufzunehmen, damit nicht einige Mitglieder sich unerlaubten Genuß schlechter Gesellschaft suchen. Noch ein Moment muß hierbei in Betracht gezogen werden. Gemeinsam genossene Vergnügungen fördern wesentlich den Zusammenhalt der jungen Leute. Wohnt aber auch noch jedem Jugendlichen, der für eine Idee Interesse gefaßt hat, der Drang inne, sich zu betätigen. Wie manchem, denken wir nur an unsere Damen, fehlt im Schiur jegliche Gelegenheit, seine Fähigkeiten zu entfalte». Wir sagten aber im Anfänge unseres Aufsatzes, daß eine straffe Organisation es ermögliche, alle vorhandenen Kräfte auszunützcn. Zu wessen Wohle? Zum Wohlc der Organisation? Jawohl, der Organisation zu Nutze und mit ihr zum Nutzen der Idee; denn deß müssen sich alle bewußt sein, alle diejenigen, die Pöstchcn haben, die keine haben und diejenigen, die solchen haben wollen: Wir pflegen den Verein nicht um des Vereines willen! Wir wollen keine Vereinsmeierei! Wir wollen die Verbreitung unserer Idee. Die Anerkennung des Thoragedankens in der Welt. Dazu gibt es aber unserer Meinung nach, bei den heutigen Verhältnissen, keinen anderen Weg, als den des Vereinigens, als den des Vereins. Von heute auf morgen werden wir unser Ziel nicht erreichen; jedoch wird uns der Weg am leichtesten fallen, wenn wir ihn gemeinsam beschreiten.

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