Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 2 (2.1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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damals »och nicht so viel über Polen sondern deshalb, weil mir der Ostjude wegen seines größeren Feingefühls an Jüdischkeit von jeher sympathischer ist als der Westjude. Aber gehört denn eine solche Frage überhaupt in den Religions-, sagen wir lieber in den hebräischen Unterricht? Daß dem wohl so ist, das ließ mich einmal die Antwort eines Kindes erkennen. Wir sprachen davon, warum Gott Israel aus Ägypten geführt habe? „Um ihm die Thora zu geben",,lautet die Antwort, „und" fügte eine andere Schülerin ich glaube gar, unaufgerusen mit voller Wichtigkeit hinzu, „um uns in das Land unserer Väter zu führen". Hatte das Kind nicht recht? Und wenn es gilt, Pfeiler vinzurammen iin Verständnis des Kindes, auf denen das Judentum sicher ruhen könne, so tritt neben der der Thauroh der von Erez Jisroel — Erez Jisroel darf einem jüdischen Kinde nicht terra incognita sein. Auch wir sprechen über Mizwas Jischuw hoorcz und lieben unser Land mit der ganzen unsrer Seele und lassen es uns nicht verflüchtigen zu einem wenn auch noch so heiligen Dunst. Mit R^EHanina kann ich bekennen: mittalmidai jausseir mikkullom. Ist es eine pädagogische Forderung pädagogischer Takt gebietet es von allein, hinzuhorchen aus den Geist des Kindes, so gilt das gewiß für den hebräischen Unterricht. Nicht dozieren über den Wert von thauro hakkedauschoh bringt diese dem Kinde näher. Es will in unermüdlicher Selbstarbeit unter getreuer Führung die Schätze selber heben, die Führung lohnt sich; die Kinder sind selbst oft die besten Wegweiser dabei.. Thauroh und erez Jisroel und unzertrennlich mit beiden verbunden Kellal Jisroel, nicht ein blutleerer Begriff, sondern wir alle, die wir jüdisch sind, in Ost und West! Heikel war meine Frage nach dem Unterschiede zwischen West- und Ostjuden. Ans welchen Erfahrungen mochten die Mädchen ihre Antwort formulieren? Werden sie äußerlich unterscheidende Merkmale, werden sie den Kern der Sache treffen? Gespannt auf das Ergebnis des Nachdenkens in der Klasse, rufe ich eine auf. Die Antwort lautet kurz und einfach: „Sie können besser lernen als wir" und zustimmend nicken viele andere. Einen Blick jn die Häuser, der Kinder geivährt die Antwort. Wie erfreulich, auch in west-" jüdischen Kreisen wird gelernt. Woher säße sonst bei den Kindern der Begriff lernen. Und dann das köstliche „wir" bei der Antwort! Dieses wir spielt bei uns überhaupt eine große Rolle. Wir sind aus Ägypten gezogen, und wir haben am Sinai gestanden. Wir haben mit Josna um das Land gekämpft, und endlich kann der Ostjude gar besser lernen als wir. Es werden nun die Ursachen festgestellt, weshalb cs denn der Ostjude besser kann. Die Kinder finden, dort müsse der Talmid chochom eben höher geachtet sein als bei uns. Er erhält Ehrenstcllen in der Gemeinde, und dann sehen Eltern bei der Wahl des Schwiegersohnes darauf, daß dieser kein am höorez sei. Einen Augenblick war ich versucht, unseren ostjüdischen Schwestern in den Augen meiner Schülerinnen so viel Idealismus zuzuschrcibcn, daß auch sie selbst ans Lamdonus'm Gewicht legen, wenn es sich um den Zukünftigen handelt. Vielleicht habe ich es auch halb scherzhaft