Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1918-02-01 · 2 (2.1918) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
2 (2.1918)
Date
1918-02-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/6467833-8970266-8970268--0495-6467866
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Frage lautet für unsere Führer: „Wie können wir aus unseren Mitläufern Mitarbeiter machen?" Die Antwort lautet: Indem wir im Einzelnen das Gefühl der Mitverantwortung für die Interessen der Gesamtheit erwecken. Es gibt im Judentum keine Einzelexistenz: Kol Jisroel areiwim seh losch. Der Begriff „Gesamtisrael" fußt darauf, daß einer der Bürge für den anderen sei. Es ist der Begriff der Wechselwirkung, der unser Judentum durchzieht. Du Einzelner kannst dich nicht lossagen von der Gesamtheit, auch wenn du für dich gar keinen Anspruch auf ihre Wohltaten erheben wolltest, du bist auf Tod und Leben mit ihr verbunden. Leistest du nicht, und sei es mit dem kleinsten Teilchen an Kraft, das die verliehen! wurde, was du für die Gesamtheit leisten könntest, so hast du deine Rolle im Leben verfehlt und bist deiner Bestimmung nicht gerecht geworden. Die Gesamtheit hat ein Recht auf deine Einzelperson, dem du dich nimmermehr entziehen kannst. Ist das Gefühl der Mitverantwortung erst einmal wachgerufen, so erwächst die Erkenntnis der Verpflichtung zur Mitarbeit ganz von selbst. Hier müssen die Führer dann den Hebel ansetzen, um namentlich die Jugend für ihre Zwecke heranzuziehen. Dazu ist es dann allerdings nötig, daß die Führer ständig in Fühlung mit der Jugend bleiben, sich bemühen, ihre Wünsche kennen zu lernen und ihr Vertrauen zu erringen. Das Vertrauen zum Führer - das ist das Geheimnis jedes Erfolges in der Öffentlichkeit. Hierin ist in der Vergangenheit mancher Fehler gemacht worden. Mancher, der da glaubte, ein Führer zu sein, hatte längst die Führung verloren, weil er die Fühlung verloren hatte. Die Jugend will, daß man sich um sie kümmere, sich mit ihr bespreche, sie auch zu Worte kommen lasse. Deshalb ist aber die Befürchtung noch lange nicht am Platze, die in einer Zeitschrift vor einigen Wochen ausgedrückt war,, daß die Jugend selbst die Führung in die Hand nehmen wolle. Das ist Schwarzmalerei, deren Bilder keinen Schrecken für denjenigen bergen, der das Vertrauen der Jugend hat. Immer wird sich unsere Jugend auch bei gegenteiliger Meinung unterzuordnen wissen, wenn nur eine Persönlichkeit ihr gegenüber tritt, die ohne Fehl und Makel vor ihr steht, und zu der sie empor zu schauen gelernt hat. Und noch eines lehre man die Jugend mehr wie bisher: daß die Zukunft sich auf ihr aufbaue! Ihr Ehrgefühl erwecke man, daß sie die Männer von morgen seien! Daß die Zukunft unserer Lehre, unseres Volkes in ihren Händen ruhe! Ihren Stolz rufe man auf, sich der Hoffnungen würdig zu erweisen, die man auf sie setzt. Ihren Ehrgeiz stachle man an, etwas zu leisten für unsere heilige Sache-dann wird man auch ihre Liebe erringen. Eine so erzogene Jugend in den Dienst der Agudas Jisroel gestellt — wahrlich es brauchte uns nicht um deren Zuknnft bange zu sein! Eine solche Jugend auf das Programm der Agudas Jisroel eingeschworen, sie könnte Berge versetzen. Das Programm der Agudas Jisroel ist ja die Thauro selbst! Die Agudas Jisroel ist

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.