Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1918-01-01 · 1 (1.1918) · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
1 (1.1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6467833-8970266-8970267--0486-6467858
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 19 großen pekuniären Opfern diese Tageszeitung ins Leben gerufen und bis jetzt erhalten. Wenn die Völker erst sich gegenseitig ihre Grenzen wieder öffnen, ist zu erwarten, daß die Zeitung einen nach vielen Hundcrttausenden zählenden Leserkreis finden und sich dann selbst pekuniär erhalten wird. Die Agudoh müßte und würde übrigens weitere pekuniäre Lasten für die Zeitung übernehmen, wenn es nötig wäre, denn das ist sicher, sie wird dann die rechte Aufklärung in weiteste Streife tragen, die jetzt ihre Kenntnisse so vieler Dinge und deren Wertung aus anderen Zeitungen schöpfen, die ihnen Unjüdisches und gar Unrcligiöscs überhaupt geben. Durch das in Polen auf kulturellem Gebiet Geleistete haben wir den Blick an einer Gründung vorüber gehen lassen, die sich schon jetzt zu einer bedeutenden ausgewachsen hat und die noch bedeutender zu werden verspricht, an dem jüdischen Kriegswaisenfond. 8000 jüdische Waisen sind in Galizien allein durch den Krieg zu versorgen, wiveiele es in Russisch-Polen sind, ist nicht zu ermessen. Von diesen Waisen sind zum mindesten 80%, die aus streng orthodoxen Kreisen stammen. Durfte man dem Staat, oder durfte man jüdischen Verbänden, die nicht auf demselben Boden in religiöser Beziehung stehen, wie jene Unglücklichen, die uns ihre Kinder hinterlassen haben, die Sorge für diese Waisen übergeben? Nein, es war eine Ehrenpflicht für die A. I. hier cinzutretetz, den Seelen der Heimgegangenen Opfer ihre Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben die Genugtuung zu geben, daß ihre Kinder, auch wenn sie selbst nicht mehr da sind, doch in ihrem Sinne erzogen werden. Und aus diesen Erwägungen heraus wurde der Kricgswaisenfond gegründet, der jetzt die Höhe von Jl 500 000. - erreicht hat, aber noch wesentlich wachsen muß. Obwohl für die zu gründenden Waisenhäuser von den beteiligten Staaten Zuschüsse gegeben werden sollen, obwohl das angesammclte Kapital in 18 Jahren spätestens aufge bracht sein darf, ist doch noch viel, viel nötig, um auch nur einen nennensiverten Teil dieser arnicn Kinder zu erziehen und für das Leben so zu rüsten, daß sie als fromme Jehudim und nützliche Glieder der Gesellschaft in sie cintreten können. Die Verwaltung des Kriegswaisenfonds in Halberstadt, die so außerordentlich rührig war, hat sich ein unschätzbares S'chus erworben durch das, was sie schou geleistet hat, sie hat kein Mittel unversucht gelassen, um richtig einzngreifcn, hat es z. B. auch erreicht, daß manche Kinder von kinderlosen frommen Ehepaaren adoptiert wurden oder daß für andere, die in Familien untergebracht wurden, eine Erziehnngszuschuß von Jl 400. pro Jahr auf die ganze Zeit der Erziehung von Privatleuten bewilligt wurde. So hat sich die Agudoh ans allen Gebieten betätigt, die für sic in Betracht kamen, es ist die stattliche Summe von einer Million Mark, die sic in den Kriegsjahrcn aufgebracht hat, einschließlich der noch nicht gebrauchten 500 000 Mark. Aber es wäre irrig zu glauben, sie triebe nur Augenblickspolitik, sie hat auch ihr Augenmerk auf die Zukunft gerichtet und wohl bedacht, was die kommenden Tage an Aufgaben bringen k.nnten. Da ist zunächst die Vertretung der Interessen des gesetzestreuen Judentums auf dem Hof

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.